Worauf waren Sie in diesen Tagen besonders stolz in Österreich?

Auf die Plakatserie von 25Peaces zum Thema Europa. Die Auswahl ist ein gelungener Mix unterschiedlicher gesellschaftlicher und politischer Beiträge. Zudem freut mich, dass zum ersten Mal mehr Künstlerinnen als Künstler zu solch einer Aktion eingeladen wurden.

Und worüber waren Sie enttäuscht?
Sehr enttäuscht war ich von den politischen Reaktionen aller Parteien, die sich von dem Projekt distanzierten, ohne sich inhaltlich damit auseinander zu setzen. Mit dem Verständnis für Kunst scheint es hier nicht weit her zu sein, wenn schon eine Boulevardschlagzeile für einen Skandal ausreicht.

Adieu, Palais!

Ein Märchen ging zu Ende. Für tausendundeinen Tag schließt das Palais Schwarzenberg, und keiner unserer Blicke darf mehr in der Tiefe seines Parkes ruhen. Hotel, Bar, Restaurant sollen aufgemöbelt werden, wo doch das altmodisch Mondäne, der stehen gebliebene Stil für die Ewigkeit reserviert schien. Vor allem die Sommerterrasse. Garten Eden. Zeit spielte hier keine Rolle. Nur das Knistern des Kieses unterm Tritt, das Plätschern des Brunnens, die Ruhe, die man hören konnte. Und im Hintergrund, immer dezent, mit perfekter Eleganz, der Service von Frau Lempert, der Seele des Hauses. Sie hatte, nach einem Dezennium, den eitlen, graumelierten Maître abgelöst. Man war dankbar, falls er sich zum Bedienen herabließ. Gräflicher als der fürstliche Besitzer selbst, sprach mancher Gast ihn ehrfürchtig als "Durchlaucht" an. Bis die lauten Banker und Anwälte mit ihren genagelten Budapestern über den Marmor tackerten, unüberhörbar. Oder eine Landeshauptfrau mit drei Handys, zwei Assis und einem Audi. Es war ein Hotel mit Weltklasse, in dem auch ein Herr Schneider, ein Gast wie ein Geist, handeln und wandeln konnte, ein mysteriöser Taubstummer, alle Zeitungen Zeile für Zeile studierend – und konsumierend: nichts. Ein letztes liebevolles Auge – mein Schwanengesang.

Peter Roos