Seine Eltern verbringen ihren Lebensabend in Israel, und er selbst erfreut sich exzellenter Kontakte in den Nahen Osten: zum israelischen wie zum palästinensischen Establishment gleichermaßen. Doch ein Flug nach Tel Aviv steht vorläufig nicht mehr auf der Agenda des milliardenschweren Wiener Osthändlers Martin Schlaff. Das bestätigt sein Anwalt Navot Tel-Tzur: "Mein Mandant hat derzeit keinerlei Absicht, nach Israel zu kommen."

Der legendenumwobene 52-jährige Finanzjongleur hat handfeste Gründe, das Heilige Land zu meiden: eine Polizeirazzia im Haus seiner Eltern. Anlässlich eines Besuches seines Bruders und engen Mitarbeiters James Schlaff im elterlichen Domizil beschlagnahmten israelische Sicherheitsbeamte kurz vor Weihnachten zwei Laptops, Mobiltelefone und diverse Dokumente, in denen sie Hinweise auf dunkle Transaktionen vermuten. Zu Beginn des Jahres wurde dann den Medien, wohl aus taktischen Motiven in der heißen Phase des israelischen Wahlkampfes, ein Gerichtsdokument zugespielt, in dem die Polizei angibt, sie verfüge nun über Hinweise, dass es die Gebrüder Schlaff gewesen seien, die dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon drei Millionen Dollar hätten zukommen lassen.

Plötzlich standen der öffentlichkeitsscheue Geschäftsmann und seine Praktiken, über die viel gemunkelt, aber wenig berichtet werden kann, wieder im Scheinwerferlicht eines dubiosen Finanzrätsels.

Im Kern geht es bei "Sharongate", wie die Affäre in Israel seit drei Jahren genannt wird, um einen Parteispendenskandal. Der damalige Likud-Chef Scharon hatte hohe Wahlkampfschulden angehäuft, und Gönner Schlaff, so verdächtigen die israelischen Justizbehörden, habe seinem Freund großzügig unter die Arme gegriffen.

Abgewickelt worden, so der Wissensstand der Staatsanwaltschaft in Jerusalem, seien die Transaktionen über Cyril Kern, einen britischen Geschäftsmann mit Wohnsitz in Südafrika. Doch dieser Scharon-Freund, so wird geargwöhnt, habe lediglich als Strohmann für Martin Schlaff fungiert. Schließlich seien die Millionen von einem Konto bei der Wiener Bawag, Schlaffs Hausbank, über die er fast alle seine Geschäfte tätigt, überwiesen worden.

Tatsächlich läuft nun nach einem israelischen Rechtshilfeansuchen, das lange Zeit in Österreich nur sehr hinhaltend behandelt wurde, auch in Wien ein Verfahren, bei dem Mitarbeiter der Gewerkschaftsbank einvernommen werden. Die israelische Tageszeitung Haa’retz berichtete zudem, dass jetzt erstmals den Ermittlern in Jerusalem auch Dokumente und Kontoauszüge aus Österreich hülfen, das Puzzle zusammenzufügen.