Gegenüber der ZEIT bestätigt nun auch der zuständige Wiener Staatsanwalt Gerhard Jarosch, dass die österreichische Justiz aktiv geworden sei: "Ich führe Ermittlungen wegen Bestechungsverdachts. Es geht insgesamt um 4,5 Millionen Dollar, die über das betreffende Bawag-Konto transferiert wurden."

Die neuerlichen Beschuldigungen lässt Martin Schlaff derweil in gewohnt gelassener Manier über seinen Sprecher Michael Fink dementieren: "Ein Schlaff besticht niemanden." Omri Scharon dagegen, der Sohn des schwer kranken Premiers, gestand mittlerweile illegale Praktiken bei der Finanzierung des Wahlkampfes seines Vaters ein – und legte sein Abgeordnetenmandat am Dienstag vergangener Woche nieder.

Die Affäre dürfte dem risikofreudigen Mann mit den weitreichenden Geschäftsinteressen denkbar ungelegen kommen. Sie flog zu einem Zeitpunkt auf, da gerade ein gewagter Deal auf der Kippe steht. Gemeinsam mit seinen Partnern, dem Ex-ÖVP-Obmann Josef Taus und dem ehemaligen Länderbank-Vorstand Herbert Cordt, hatte er im August des vergangenen Jahres Anteile an dem serbischen Mobiltelefonbetreiber Mobtel von dem reichlich umstrittenen Geschäftsmann Bogoljub Kariƒ in der Absicht erworben, das Handynetz später mit sattem Gewinn an die österreichische Telekom weiterzuveräußern. Doch die Regierung in Belgrad machte ihm vorläufig einen Strich durch die Rechnung: Wegen verworrener Besitzverhältnisse entzog sie der Mobtel die Sendelizenz, stellte sie unter Staatsverwaltung und will nun die Lizenz neuerlich ausschreiben.

In Serbien wollte Schlaff wohl seinen bislang vielleicht spektakulärsten Coup wiederholen, den sein Konsortium 2002 eingefädelt hatte. Damals übernahm das Trio das größte Handynetz in Bulgarien aus dubiosen Besitzverhältnissen, reorganisierte es und verkaufte die Firma mit einem runderneuerten und professionellen Management an die Telekom Austria weiter. Gewinn für das Schlaff-Trio: 800 Millionen Euro. Josef Taus, der Elder Statesman der Geschäftspartner: "Ohne den Einsatz der Familie Schlaff hätten wir in Bulgarien nichts ausrichten können."

Das Beziehungsgeflecht, das der glänzende Schachspieler Schlaff im Lauf seiner Karriere geknüpft hat und durch taktisches Mäzenatentum zusätzlich verstärkte, ist legendär. Es reicht in höchste Regierungskreise, zum ehemaligen SPÖ-Kanzler Franz Vranitzky ebenso wie zum ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel. Er war einer der letzten Besucher des ermordeten israelischen Premiers Jitzhak Rabin und zählte zugleich zu den Vertrauten von dessen erbittertem politischem Gegner Ariel Scharon. Aber auch zu dem verstorbenen Palästinenser-Präsident Jassir Arafat pflegte Schlaff enge Kontakte: Sein über die Hausbank Bawag finanzierter Business-Jet etwa stand lange Zeit dem Vielflieger Arafat zur Verfügung.

Diskret versteht es Schlaff, diese Kontakte für diplomatische und geschäftliche Missionen zu verquicken. 1998 gelang es ihm, im palästinensischen Jericho ein, mittlerweile wieder geschlossenes, Kasino zu eröffnen. Damals mit dabei bei dem Deal: Dov Weissglass, der Anwalt von Ariel Scharon. Drei Jahre später kam es in Schlaffs luxuriösem Wiener Penthouse zu diskreten Kontaktversuchen zwischen Omri Scharon und hohen PLO-Vertretern. Im Frühjahr 2002 schließlich reiste Schlaff in heikler Mission nach Jerusalem, um ein Ende der Eiszeit in den Beziehungen zwischen Österreich und Israel, die nach der Schüssel-Haider-Koalition eingesetzt hatte, zu vermitteln. Freund Scharon schickte wieder einen Botschafter nach Wien.