In Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm Sunrise fährt eine Straßenbahn aus einem Wald auf dem Land mitten ins Herz einer Großstadt. Es ist eine jener Filmsequenzen, die man nie ganz erfassen wird: Eine Frau und ein Mann stehen sich gegenüber, im Hintergrund tauchen freie Felder auf, man folgt den verängstigten Augen der Frau, versäumt die ersten Häuser der Vorstadt, sieht die Häuser wachsen, dann wieder ihr Wegschauen, sein Zögern, ihren Hut, bis man plötzlich in einer Hölle aus Licht und Lärm steht, in der Mitte der Stadt, wo die Straßenbahn endet.

So schafft Supersilent ihre Musik: Aus dem Pastoralen ins Chaos, und während man offenen Auges zuhört, hat man schon wieder verpasst, wie man von A nach B und C kam. Im Vordergrund der Bühne sitzt der Trompeter Arve Henriksen, links der Keyboardspieler Ståle Storløkken, im Hintergrund der Schlagzeuger Jarle Vespestad und rechts der Klangmanipulator und Produzent Helge Sten. Doch nichts wäre irreführender, als den Namen Stil und Herkunft zuzuweisen. Die Gruppe entsteht beim Spielen und endet mit dem Konzert. Supersilent 7 steht auf taubenblauem Cover, dazu Aufnahmeort (Parkteatret in Oslo, 16. 8. 2004), Design und Regie (Kim Hiorthøy), der Rest ist überwältigende Improvisation: verhauchter Trompetenton, zeitlupengedehnter, anschwellender Elektronikklang, ein Ambientegefühl, das musikalische Länge in spürbaren Raum verwandelt, punktiert vom tockenden Schlagzeug. Supersilent lebt aus der Reibung von akustischem Instrumentarium und elektronischer Spielware. Mit angezogenen Knien kauert Helge Sten inmitten von Ringmodulator, Sampler, er verwendet handgearbeitet Elektronisches, nennt es Audio Virus . Arve Henriksens Trompete reicht vom dunklen Bambusflötenklang über Miles-Davis-Melancholie bis zu einem Singen, das die Trompete nur noch als Megafon benutzt, um im Hexenkessel zu überleben.

Die Einstellung ist Jazz, die Silhouetten an der Schallwand verweisen jedoch auf dieses Jahrhundert. Vielleicht muss es diesmal (die Vorgänger Supersilent 1–3, 4, 5 und 6 erschienen von 1998 bis 2004 als CD) eine DVD sein, um die Töne orten zu können, um zu sehen, wie Improvisation in höchster Dichte und Spiritualität durchsichtig bleibt.