Eines muss man neidlos anerkennen: Die zehn PR-Berater, die Chodorkowskij in Moskau angeheuert hat, leisten vorzügliche Arbeit. Der Artikel ist ein Beispiel dafür. Er ist allerdings kein Einzelfall: Er findet sich, so oder so, von FAZ bis taz, von stern bis Spiegel.

Kürzlich zeigte Arte eine Dokumentation über die russischen Oligarchen. Wer sich mit Russen-Themen beschäftigt, muss diesen Film sehen.

Hierzulande hat man ja den Eindruck, Leute wie Chodorkowskij hätten infolge von Perestrojka und Zusammenbruch der Sowjetunion nur fleißig gearbeitet und noch fleißiger Kopeke für Kopeke zur Bank gebracht, bis sie nach ein paar Jahren nachschauten und feststellten, dass sie 15 Milliarden besaßen - Dollar natürlich. Was bei Ihnen euphemistisch mit fragwürdige Privatisierungen umschrieben wird, war der größte Diebstahl an Volksvermögen, den es in der Menschheitsgeschichte jenseits von Kriegen gegeben hat.

Chodorkowskij gibt sich als Philanthrop, und vielleicht ist er ja einer - ein wenig, in Maßen natürlich, und immer sein eigenes Geschäft im Blick. Nur: Russland braucht nicht bloß eine einzige moderne Schule für 240 Schüler als künftigen Jukos-Führungsnachwuchs, sonderen Zehntausende moderne Schulen und Hunderttausende gut bezahlte Lehrer, die eine hervorragende Ausbildung und täglich wenigstens ein warmes Essen garantieren können. Leider fehlt Russland dafür das Geld. Nicht nur, aber vor allem, weil es abermilliardenfach in den Privatschatullen jener verschwunden ist, die man in Russland auch als Goldene Horde bezeichnet und deren Club-Mitglied Chodorkowskij ist.

PETER KUBISCH, STRAUSBERG