In seinem künstlerischen Werk hat ihn der Tod stets begleitet - doch als er in sein reales Leben einbrach, muss er ihn überrascht haben. Drei Jahre, bevor der Krebs ausbrach, hatte er in einem Interview behauptet: Man stirbt einfach nicht, ehe man nicht seine Arbeit beendet hat. Aber dann ging alles rasend schnell, er starb mit 52 Jahren. Kurz zuvor war er noch, zum dritten Mal in seinem Leben, Vater einer kleinen Tochter geworden, doch die Krankheit zerstörte private und berufliche Pläne.

Er war Autodidakt, hatte sich allgemeines und fachliches Wissen fast ausschließlich selber beigebracht - ein Fluchtweg hinein in die Fantasie, heraus aus trostloser Kindheit. Die Großeltern standen ihm näher als die Mutter, die ihn vernachlässigt hatte - und wer sein Vater war, erfuhr er erst viel später. Kindheit und Jugend verbrachte er zwischen ungeliebter Schule und geliebtem Kinosaal, diverse Ausbruchsversuche endeten im Erziehungsheim oder irgendwo in der Gosse. Bis er eines Tages einen wirklichen Förderer traf: Der erkannte sein Talent und half ihm auf ganz neuem Terrain, dem Schreiben. Die Einberufung zum Militär kam dazwischen - er desertierte, wurde unehrenhaft entlassen - und konnte nun endlich loslegen mit der Arbeit, zu der er sich berufen fühlte.

Sein erster Beitrag dauerte nur Minuten. Und doch enthielt er schon alle Motive, die sein gesamtes OEuvre durchziehen. Die Liebe, der Tod und wie sie oft schicksalhaft miteinander verknüpft scheinen - das war sein Thema, das er fortan immer wieder durchspielen ließ. Hier erzählte er von einem Liebespaar, das der tragische Unfalltod des Mannes trennt. Aus einem Schlussbild (Junge Frau in Trauerkleidern) entstand dann Jahre später ein anderes Werk. Darin wird eine Frau zur Rächerin und ermordet all jene Männer, die den Tod ihres Geliebten verschuldet haben. Als sie sich dabei fast in eines ihrer Opfer verliebt und es dann doch tötet, sind die beiden Pole Liebe und Tod endgültig ineinander verwoben: zu einer einzigen, hemmungs- und grenzenlosen Amour fou.

Die fatal-romantische Vorstellung vom Tod als Verbündeten der Liebe, auch als letzte mögliche Erlösung aus emotionaler Verstrickung - sie begleitet viele seiner Helden und Heldinnen auf ihrer Suche nach der absoluten Liebe. Und wenn sie glauben, ihr Ziel gefunden zu haben, bleibt ihnen oft nur noch der eine tödliche Ausweg. Weil sie erkennen, dass eine solche, alle Dimensionen sprengende Liebe dem Alltag schlicht nicht standhalten würde. Ich fühle mich von Charakteren angezogen, die einen gewissen Wahn in sich erahnen lassen - nicht den totalen, unkontrollierbaren Wahnsinn, sondern eine besondere Art von Wahn, hat er in jenem Interview erklärt.

Die düstere, phasenweise wohl auch depressiv gefärbte Sicht auf Leben und Liebe muss ihm früh vertraut gewesen sein. Als 18-Jähriger hatte er einen Selbstmordversuch überlebt. Viel später bekannte er in einem Brief an einen Freund, dass er öfter ... von einer Traurigkeit erfasst werde, die eine Zeitlang alles verfinstert und sich nie ganz verflüchtigt .... Freilich war ihm da längst klar, dass seine Seelenlage auch der Motor seiner Kunst war: Anfangs glaube ich, einen lustigen Film zu drehen, aber auf halbem Wege merke ich, dass er Traurigkeit braucht, um überhaupt zu funktionieren.

Eine treffende Beschreibung der Stimmungslage in vielen seiner Filme. In seinem letzten ging es dann aber tatsächlich ganz unbeschwert zu. Vielleicht, weil er und seine Hauptdarstellerin ineinander verliebt waren? Jedenfalls geriet ihm sein Abschiedswerk zu einer ironisch beschwingten Hommage an ein bestimmtes Genre - und gleichsam an ihre schlanken Beine.

Wer war's?