Wenn am 25. Januar Werder Bremen beim Drittligisten St. Pauli im Viertelfinale des DFB-Pokals spielt, könnte dies eine Stadionhymne der besonderen Art noch bekannter machen. Sie stammt von Thees Uhlmann, 31, Sänger der Hamburger Rockband Tomte. Der Song Das hier ist Fußball lief am 21. Dezember zum Pokalspiel gegen die Berliner Hertha. Thees stand gerade am Eingang des Stadions und genoss den Moment, als sein Lied über die Lautsprecher erklang: Tragik ist wie Liebe ohne Happy End / Und eines ist wirklich sicher, dass die Tragik St. Pauli kennt.

Tomte machen Indie-Rock, Lieder, zu denen man grübeln oder tanzen kann.

Eigentlich machen sie keine Stadionhymnen. Dass der Song dennoch passt, liegt an der Wesensverwandtschaft von Tomte und St. Pauli. Beide fühlen sich gern am Rande des Mainstreams, möchten aber nicht arrogant wirken.

Thees Uhlmann steht zurzeit sicher auf einem Aufstiegsplatz im Musikbusiness, St. Pauli ist in der dritten Liga. Gut für den Ruf war der knappe Sieg in der Verlängerung im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Hertha BSC Berlin.

Uhlmann muss zurzeit, anders als St. Pauli, oft als Beispiel für Erfolg herhalten. Nicht nur aufgrund des letzten Tomte-Albums Hinter all diesen Fenstern. Vergangenes Jahr waren der Schauspieler Jürgen Vogel und der Regisseur Lars Kraume auf die Band aufmerksam geworden. So kam es zur Formation Hansen Band im Film Keine Lieder über Liebe mit Vogel und Heike Makatsch, in der auch Uhlmann mitspielte. Uhlmann sagt dazu: Ich bin halt irgendwann vom Publikum auf die Bühne gestiegen und spüre keine große Distanz. Am 3. Februar kommt sein neues Album Buchstaben über der Stadt in die Läden. Seine Lieder sind wie Tagebucheinträge, lieber Pathos als Distanz.

Uhlmann kommt aus Hemmoor in Niedersachsen, er sagt: Ich spüre das Dorf in mir. Dort musste man sich die Kultur erkämpfen. Um sich abzugrenzen, hilft auf dem Land immer noch ein St.-Pauli-Kapuzenhemd. Selbst wenn der Verein nur noch seinen Mythos nährt und für sonst nichts mehr steht. Ganz anders als Thees Uhlmann.