Für jemanden, der gerade eine der größten Niederlagen seines Lebens eingesteckt hat, macht er eine außerordentlich gute Figur. Genau in der Achse des Trocadéro-Platzes, wo die Terrassen des Weltausstellungspalastes auf den Eiffelturm hinausgehen, steht der silberhaarige Impresario im langen Ledermantel, verschränkt die Hände auf dem Rücken und nimmt die nächtliche Lichtprobe ab. Auf die Sekunde genau verwandelt sich der Eiffelturm mit Tausenden von winzigen Lichtpunkten in eine sprühende Wunderkerze, daneben steht die große Fußball-Weltkugel, die genau im Takt zu funkeln beginnt.

Nicht schlecht, sagt André Heller, jetzt dürfe sich jeder etwas wünschen.

Drei Tage lang hat er unentwegt Interviews darüber gegeben, warum die Fifa die Eröffnungsgala zur Fußballweltmeisterschaft im Berliner Olympia-Stadion nicht mehr haben will: aus Sorge um den Fußballrasen. Kein böses Wort ließ er dabei gegen die Sportfunktionäre fallen. Die Vertragsauflösung hält er für juristisch unangreifbar. Jetzt möchte Heller nur eines wissen: wie der Fußballglobus, der als Maskottchen durch die WM-Länder reist, an seinem wohl schönsten Standort wirkt, in Paris.

Er habe sein Leben lang Geld ausgegeben, um etwas zu verwirklichen, sagt er.

Dass der Weltfußballverband jetzt Millionen dafür zahlt, etwas zu verhindern, mache ihn ratlos. Kalkuliert war das Spektakel für 60 000 Stadionbesucher und weltweit 1,5 Milliarden Fernsehzuschauer auf 25 Millionen Euro. Die Absage wird sehr teuer. 15 000 Darsteller müssen bezahlt werden, doppelt so viele Kostüme, dazu ein fußballfeldgroßer Flachbildschirm als Stadion-Bühnenboden, außerdem Musik von Brian Eno und Peter Gabriel, nicht zu vergessen Regisseure, Techniker. Heller ist es gewohnt, dass Leute in seine Residenz am Gardasee kommen, die viel Geld, aber keine Ideen haben. Jetzt ist die Idee weg - und noch mehr Geld. Ein Theaterstück in vier Akten war geplant, eine Massenchoreografie, überflüssig wie der Eiffelturm, sagt Heller. Teile davon herausbrechen geht nicht.

Der 58 Jahre alte Österreicher ist ein Schausteller mit öffentlichem Patent.

Er hat Maler, Bildhauer, Musiker, Akrobaten und Dichter an allen erdenkbaren Orten auftreten lassen. Nur bislang nicht auf einem Fußballrasen, der schon Tage später bespielbar sein muss. Es wird nicht am Programm, sondern am Rasen gelegen haben, sagt er, wir waren einfach naiv. Kanzler Schröder treffe keine Schuld. Keine Regierung der Welt hätte darauf verzichtet, die Eröffnungsgala in ihre Hauptstadt zu holen. Eine Blamage für Deutschland? Nein, eher für die Sportfunktionäre, die sich mit Rasen auskennen sollten. Was sei das überhaupt für ein Gerede von Blamage und Niederlage? Hauptsache sei, dass sein WM-Kulturprogramm für die Bundesregierung mit 48 Projekten in 117 Ländern weiter laufe.