Das große Einsame in diesem Kabinett ist allerdings Wolfgang Schäuble. Der 1942 Geborene ist zweifellos der profilierteste deutsche Konservative, der immer einen Pragmatismus mit Horizont vertreten hat. Protestantisch wie Angela Merkel, aber eben aus dem deutschen Südwesten, aus einer sozial verpflichteten Familie, die Politik immer auch mit einer Dimension religiös tiefsitzender Verpflichtungen verbunden hat. Schäuble hat den Einigungsvertrag ausgehandelt, er hat sich mit ungeheurer Willensstärke nach dem Attentat auf ihn in der Politik gehalten; er ist erst von Helmut Kohl und dann von Angela Merkel in die Schranken verwiesen worden.

Was denkt dieser 68er von rechts inmitten unserer neuen Politikerklasse ohne Vergangenheit, aber mit Zukunft? Wolfgang Schäuble ist der Gegenspieler zur Kanzlerin Angela Merkel, insofern er die Leerstelle der deutschen Konservativen offen hält: die Vorstellung eines anteilnehmenden Konservatismus, der den Leuten nicht nur verordnet, was zu tun ist, sondern bereit ist, sie mitzunehmen auf eine Reise nach vorn mit ungewissem Ausgang.

Der Soziologe Heinz Bude wurde bundesweit bekannt mit seiner Analyse der "Generation Berlin", den Nach-68ern im wiedervereinten Deutschland. Bude ist Leiter des Bereichs "Die Gesellschaft der Bundesrepublik" am Hamburger Institut für Sozialforschung und Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel