So groß wie der 1981 erschienene, ungemein ambitionierte Nachdruck der Sammlung architektonischer Entwürfe Karl Friedrich Schinkels im originalen Format von 45,1 mal 60,3 Zentimetern ist die jüngste Ausgabe nicht ganz, selbst wenn auch sie an einen Folianten denken lässt. Aber sie ist handlich gebunden, kontrastreich auf gelblich getöntes Papier gedruckt und sehr sorgfältig ediert - eine Augenweide. In der von 1841 an, Schinkels Todesjahr, bis 1845 nach und nach erschienenen Potsdamer Neuausgabe sind alle 174 Kupfertafeln mitsamt den faksimilierten Erläuterungen des Architekten wiedergegeben. Dem war es, wie zu lesen, schon im Atelier des Altmeisters David Gilly in den Sinn gekommen, seine Arbeiten nach und nach und möglichst aktuell in Heften zu veröffentlichen, etwas, was er beim Bau des Berliner Schauspielhauses von 1819 an endlich in die Tat hatte umsetzen können. Die Not war vorüber, sein Ruhm und die Neugier seiner Klientel nahmen zu. Wie sich alles dies ergeben hat und vieles mehr berichtet der Verleger in der Rolle eines Essayisten in seiner kenntnisreichen, beherzt ausholenden Einführung, die alles mitteilt, was dabei hilft, das ungewöhnliche Opus zu begreifen - und zu genießen. Vielleicht bemerken Architekten von heute, was sie sich vom Computer haben nehmen lassen: die Idee vom Kopf über Arm und Hand und Bleistift zu Papier zu bringen, leibhaftig.

Karl Friedrich Schinkel: Sammlung architektonischer Entwürfe - Potsdam 1841-1845

Einführung, Tabellen, Register von Alfons Uhl - Verlag Dr. Alfons Uhl, Nördlingen 2005 - 274 S., 58,- e