In der Schweiz beging im Jahr 2003 eine Drogenbande einen auffälligen Diebstahl. Sie entwendete aus einem alten Militärdepot unweit des Tessiner Orts Arbedo eineinhalb Tonnen Cannabis, das von der Polizei des südlichsten Schweizer Kantons sichergestellt worden war. Die Bande wurde gefasst und wegen Diebstahls und Verletzung des Betäubungsmittelgesetzes verurteilt - in zweiter Instanz jedoch von der Anklage des Diebstahls freigesprochen.

Diesen Teilfreispruch bestätigte kürzlich der höchste schweizerische Kassationshof, das Bundesgericht in Lausanne. In der Schweiz begeht einen Diebstahl, wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern. Eine Sache gilt, juristisch betrachtet, als fremd, wenn sie zivilrechtlich im Eigentum eines anderen steht. Nun verhält es sich aber so, dass der Inhaber illegaler Drogen zwar zivilrechtlich deren Besitzer sein kann - nicht aber deren Eigentümer. Natürlich gilt das auch dann, wenn die Polizei derartige Güter besitzt. Ihr Cannabis zu entwenden ist in der Schweiz nicht verboten.