Mögen Sie Arschlöcher? Ja? Dann sollten Sie jetzt gar nicht lange weiterlesen, sondern in die nächste Buchhandlung eilen und sich den Roman Macht und Rebel von Matias Faldbakken kaufen. Für Analfixierte ist dieses Buch ein Muss. Was bedeutet, dass die Lektüre für alle die ein schwerer Brocken ist, die ein geringes Interesse an Rektalem haben.

Die Analismen, etwa die Gurke im Enddarm oder der unkoordinierte Stuhlgang, sind nur für die Grundstimmung des Romans zuständig - die Geschichte selbst verhandelt große Themen der Gegenwart: Wie kann politischer Widerstand in Zeiten der Globalisierung aussehen? Können sich die Jugend- und Subkulturen gegen die fortschreitende Kommerzialisierung wehren?

Matias Faldbakken, 32 Jahre alt, hat als bildender Künstler Norwegen bei der diesjährigen Biennale in Venedig vertreten und sorgte schon mit seinem Debütroman Cocka Hola Company für einigen Wirbel - wahlweise sahen die Kritiker in ihm einen Gegen-Houellebecq oder den Bret Easton Ellis der norwegischen Subkultur. In seinem zweiten Roman nun stellt uns Faldbakken zwei Helden mit den sprechenden Namen Macht und Rebel vor. Rebel ist ein Nihilist, ein Loser, ein Superzyniker um die Dreißig, der in einer Welt lebt, bevölkert von drogenabhängigen Aktivisten, stinkenden Hackern und Underground-Intellektuellen, die Bücher über den Cursor-Curse schreiben: über Schreibblockaden, die durch die Benutzung von Microsoft-Programmen ausgelöst werden - in den gelungenen Passagen erinnern diese grotesküberzeichneten Beschreibungen an Thomas Pynchons Vineland.

Da ist etwa der Antikommerzaktivist Fatty, der mit gefälschten Nike-Schuhen handelt, um die Marken-Logik zu sabotieren. Außerdem organisiert er die legendärsten Untergrundpartys, und Rebel darf für ihn die Einladungskarten gestalten. Doch Rebel verabscheut diesen Fatty genauso wie den Rest der Menschheit - nicht umsonst trägt der Roman den Untertitel Skandinavische Misanthropie II. Rebel hasst die Menschen, die Dinge, ja sogar die Geräusche.

Er hasst auch sich selbst, seine eigene Schwäche, seine traurige Existenz, sein Gewinsel. Rebels große Sehnsucht ist, sich von all den anderen zu unterscheiden, die gleich denken, gleich subversiv sind und somit auch gleich öde. Wäre ich Kommandant von Bergen-Belsen, so Rebel, dann würde ich meinen eigenen Typus, nicht meine Rasse, sondern meinen eigenen scheißöden Menschentypus als ersten in die Gaskammern schicken.

Die Rettung naht in dreifacher Form: Erst findet Rebel die 13-jährige Ina, mit der er ein sexuelles Abenteuer beginnt - dann liest Rebel Mein Kampf, er wird zum extremen Sozialdarwinisten und schreibt eigene Reden aus Hitler-Samples - und schließlich trifft Rebel auch noch auf Macht, ein so genannter Kreativer, eine Art raubeiniger Ulf Poschardt: Er kennt sich aus mit den Stilen des Untergrunds und will gleichzeitig zu den großen Playern aus der Wirtschaft gehören. Macht ist notgeil nach Macht und arbeitet für eine große Unternehmensberatung. Er betreibt den ganz großen sell-out, den Ausverkauf der Subkultur an den Kommerz, und das voller Ehrgeiz und gänzlich ohne schlechtes Gewissen. Er gehört zu jener Sorte Mensch, die schon als Kind auf dem Spielplatz nie mit den Schwächeren gespielt haben und mit sich selbst im Imperativ reden: Benutze es!

Eigentlich könnten Macht und Rebel nicht widersprüchlicher sein, doch die beiden bilden ein Superteam, personifizieren das Bündnis, das Macht und Rebellion, so Faldbakken, heute unweigerlich eingehen: Rebel und Macht wollen die Subkulturindustrie ausbeuten, dekonstruieren und zerstören. Ihr gemeinsamer Nenner: Kein Recht den Schwächeren! Political Correctness? Fuck off! Ihre Waffen sind Pädophilie und Nazismus.