Das Recht zur freien Meinungsäußerung schützt Dr. Breuer nicht, da es kein vertragswidriges Verhalten erlaubt." Bumm. Das saß. Die Entscheidung, die der Bundesgerichtshof am Dienstag im Streit zwischen Leo Kirch und der Deutschen Bank fällte, war eine Ohrfeige für Rolf Breuer, den ehemaligen Vorstandssprecher des größten deutschen Kreditinstituts. Vor vier Jahren hatte Breuer die Kreditwürdigkeit von Kirch in einem Fernsehinterview in Zweifel gezogen. Kurz darauf meldete der Medienunternehmer Insolvenz an – und machte Breuer dafür verantwortlich. Zumindest in Teilen hat der BGH diese Sicht nun bejaht. Mit seinen Äußerungen habe Breuer die Vertragspflichten der Deutschen Bank gegenüber dem Kreditnehmer Kirch verletzt. Dem Institut drohen jetzt Schadensersatzzahlungen.

Noch ein weiterer ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank sorgt für Schlagzeilen. Gegen Hilmar Kopper ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Ihr Vorwurf: Der Aufsichtsratsvorsitzende von DaimlerChrysler soll Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vorab über den Rückzug von Daimler-Boss Jürgen Schrempp informiert haben. Auch wenn die Deutsche Bank damals der größte Aktionär von DaimlerChrysler war: Es wäre ein Verstoß gegen die Insidervorschriften. Kopper weist den Vorwurf zurück.

So unterschiedlich die Fälle Breuer und Kopper auch sind, für den Finanzplatz Deutschland bergen sie erhebliche Brisanz. Beide werfen die Frage auf, wann ein Manager zu schweigen hat, wann er offen sprechen darf – oder gar offen sprechen muss.

Insbesondere der Fall Kopper zeigt, wie viel sich in den vergangenen Jahren an den Kapitalmärkten geändert hat und wie sehr Manager, aber auch die Öffentlichkeit umdenken müssen. Die Staatsanwaltschaft ist verpflichtet, jedem Verdacht nachzugehen. Und natürlich gilt auch bei Kopper die Unschuldsvermutung. Sollte sich aber der Verdacht gegen den Manager bestätigen, könnte dies für Kopper eine Geld- oder eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren bedeuten – und für den Finanzplatz Deutschland einen größeren Schaden nach sich ziehen als jede Debatte über die Gehaltshöhe deutscher Konzernvorstände.

Ob es auch eine Nummer kleiner geht? Auf den ersten Blick schon. Denn es erscheint realitätsfremd, dass ein Manager wie Ackermann erst per Ad-hoc-Meldung oder durch eine Pressemitteilung von einem für DaimlerChrysler so einschneidenden Ereignis wie dem Rücktritt Schrempps erfährt. Ist es nicht selbstverständlich, dass ein Aufsichtsratschef einen solchen Schritt zuvor mit dem größten Anteilseigner des Unternehmens abgestimmt oder zumindest besprochen hat? Wozu also die Aufregung?

Wer das fragt, kann an sich selbst beobachten, wie sehr die alten Denkschemata der Deutschland AG noch das Denken bestimmen – wie tief das Bild vom Manager, der im kleinen Kreis antichambriert und Entscheidungen im Verborgenen ausheckt, in unseren Köpfen verankert ist. Er übersieht, dass die Anforderungen an die Professionalität des Kapitalmarktes und damit auch an die Professionalität der Manager stark gestiegen sind. Im Kern geht es um den Anspruch, dass alle Aktionäre gleich zu behandeln, also gleichzeitig zu informieren sind, besitzen sie nun zehn Prozent eines Unternehmens oder nur zehn Aktien. Um diesen Anspruch durchzusetzen und größtmögliche Transparenz über die wirtschaftliche Situation börsennotierter Unternehmen zu schaffen, hat der Gesetzgeber in den vergangenen Jahre eine Reihe neuer Vorschriften verabschiedet.