Wollen Sie es sich mit Bremen verderben? Denken Sie an Ihren Zeitungskopf, da ist das Bremer Wappen drin! Hamburg hatte Ihnen seinerzeit die Wappenbenutzung verboten, Bürgermeister Kaisen von Bremen war großzügig und erlaubte es. Was wird nun werden?

OTTO WINNER, ISERLOHN

Wie groß darf denn bitte schön ein Bundesland sein? Größer als das ruinierte Bremen? Ist das reiche Hamburg groß genug? Ist das wie Bremen hoffnungslos verschuldete Berlin nicht doch zu klein? Europas erfolgreichster Staat ist der Zwerg Luxemburg - während die Riesen Deutschland und Frankreich schlingern. Muss man sie nun zerschlagen?

Wer Länder und Staaten zu pseudooptimalen Verwaltungsstrukturen degradiert, ignoriert, dass jedes Gemeinwesen aus der Identifikation seiner Bewohner mit ihm und seiner Geschichte lebt.

Bremens Desaster ist keinesfalls die Folge seiner Größe. Es ist das Ergebnis des Handelns seiner Politiker und seiner Wähler. So zieht Exbürgermeister Scherf heute gut gelaunt Bilanz und verkündet, er würde immer wieder so handeln, im Zweifel immer wieder neue Schulden machen. Natürlich nur für Menschen, für die Bremer. Dafür lieben sie ihn und würden ihn wohl wiederwählen. Mit dieser Symbiose aus Gefälligkeitspolitik und Transfersucht lässt sich jeder Staat in den Bankrott führen - egal, wie groß.

Hilfe beginnt bei sich selbst. Wer in Sachen Föderalismus auf seine Rechte pocht, muss auch an seine Pflichten erinnert werden. Und Selbsthilfe beginnt mit der Wahrheit: Das Bremer Politikkonzept ist gescheitert. Leider war und ist es nicht auf Bremen beschränkt.

RALF WAGNER, BERLIN