Leuchtendes Bienengelb, und 200 Seiten lang darin ein fast noch junger Mann auf der Suche, aber wonach weiß er eigentlich nicht, nach dem Absoluten, dem Leben? Frauen um ihn herum, Millionen schöne Frauen, sagt er (er erzählt selber), in jedem Südstaatenhaus wachsen sie von ganz allein, in seinem kleinen Büro sitzt auch eine, Sharon, und lässt sich am Meer küssen.

Irgendwas wie Leidenschaft ist schon bei seinem Suchen dabei, aber doch ohne diesen unschönen Zusatz von Ehrgeiz - das Glück will anders gefunden werden in solchen Büchern.

Haben Sie auch mitunter das Gefühl, was sag ich, die Gewissheit, mit einem Mal, eben jetzt das schönste Buch der Welt zu lesen? Schönste Bücher der Welt - das sind diese von keiner Autorität beglaubigten Bücher, ohne die es beim Lesen doch zu wenig Glück gäbe. Ich nenne ein paar: Alain-Fourniers Großer Meaulnes, Fromentins Dominique, Sarah Orne Jewetts Land der spitzen Tannen, Bangs Sommerfreuden und nun also dieses Buch, Walker Percys Kinogeher - denn das tut er dann am zweitliebsten, der suchende junge Mann, er geht ins Kino.

Wir sind mit ihm in den fünfziger Jahren, vielleicht müsste man noch einmal in die Filme von damals gehen oder eher fahren: Einmal fährt er mit dem Auto ins Kino, auf der Kühlerhaube, an die Frontscheibe gelehnt, sitzt ein verstörter Junge, ein kleinerer Halbbruder, und ist wunderbar begeistert, wenn ein Dialog kommt, den er schon kennt - nicht Casablanca, ein Western glaube ich.

Dann ist da noch Kate, eigentlich gar keine solche Südstaatenschönheit, wie er sie sonst mag, selbstmordgefährdet (auf der dunklen Seite des Suchens unterwegs) und immer wieder dann doch wie frisch angesteckt vom Leben, und als ließe sich mit ihr das Leben freihalten von der Malaise, die es für ihn so oft bedroht - in gewisser Weise wäre es das schon für ihn, was er sucht, ein Platz, ein Winkel ohne diese Malaise, die wie von nirgendwoher immer auf alles fallen kann. Ja, Kate wird er dann heiraten, und damit, sagt er, ende dann wohl sein dreißigstes Jahr auf dem Weg zur Ewigkeit - und von seiner Suche dann auch genug.

Ich würde es Ihnen wahnsinnig gern erzählen

Und wenn Sie traurig sein sollten am Ende des Buchs (denn das ist ein Kennzeichen dieser schönsten Bücher, diese Trauer, wenn sie aus sind, während die andern, diese, wie Walker Percy sie einmal nennt, allgemein gutgeheißenen Bücher oft eher stolz machen am Ende, darauf, nun gekannt zu sein), dann gibt es einen ganz wunderbaren Trost, nämlich ein zweites Buch von Walker Percy, ebenfalls von Peter Handke übersetzt (denken Sie auch an Emmanuels Boves Meine Freunde oder seinen Armand, und Sie ahn en, was wir Handkes Übersetzungslust und ebenso großer -kunst verdanken), es heißt Der Idiot des Südens, und es ist mindestens so schön wie Der Kinogeher und doppelt so dick, gerade ist es als Taschenbuch erschienen, und ich würde es Ihnen wahnsinnig gern erzählen.