Wenn einer Jim James heißt, wenn einer solch einen amerikanischen Allerweltsnamen trägt, der nach Winchester und Western schmeckt und nach John Wayne, bleibt ihm wohl nichts anderes übrig, als Musik zu machen, die von Amerika handelt. Also gründete Mr. Jim James in seiner Heimatstadt Louisville, Kentucky, eine Rockband, mit Gitarre, Bass und Keyboards und Schlagzeug und dicken Bärten und langen Haaren und noch einer Gitarre – allem, was eben so dazugehört zu einer Rockband –, nannte sie My Morning Jacket und begann zu singen von Sehnsucht, Verzweiflung und Dunkelheit.

Auf Z (ATO/RCA/SonyBMG 82876 71694 2) spielt er nunmehr schon zum vierten Male auf, als ginge es um die Qualifikation für den Lexikon-Eintrag "uramerikanische Rockmusik". My Morning Jacket schöpfen bewusst aus der Vergangenheit, aktuelle Musik ist ihnen verhasst. Mit genreprägenden Klassikern wie Neil Young und R.E.M. wurden sie schon verglichen, mit archetypischen amerikanischen Rockbands wie Lynyrd Skynyrd und den Notorious Byrd Brothers und nicht ganz zu Unrecht auch schon mit einem Secondhand-Klamottenladen. In gewisser Weise treten sie das Vermächtnis von The Band an und übernehmen den Staffelstab von Wilco, beschränken sich auf Z aber nicht auf Country und Südstaatenrock, Folk und Blues, sondern erweitern den von ihnen verwalteten Fundus amerikanischer Musiken um Jazz, Alternative Rock und selbst den federleichten Pop der Beach Boys.

So wirkt nun jeder Song wie eine Exkursion in die Rockhistorie, und das kann, wie im biblisch inspirierten Titel Gideon, an die nordirischen U2 erinnern, oder in Off The Record fast wie der Versuch klingen, in die aktuelle britische Popseligkeit einzustimmen. Immer jedoch wird der Song letztlich zurückgebracht auf den gemeinsamen Nenner Amerika. Die gefühlte Weite des Lande klingt auf in den beiden miteinander kommunizierenden Gitarren von Lay Low, im hochfliegenden Refrain von What A Wonderful Man und nicht zuletzt in Jim James’ mal engelsgleicher, mal pastoraler Stimme. Man hat ihr nicht mehr so viel Hall unterlegt wie bei früheren Aufnahmen, aber immer noch so viel, wie es sich nur einer leisten kann, der mit einem prototypischen Namen gesegnet ist und dem Wissen, eins zu sein mit der eigenen Geschichte.