Ein Staatsrat, der in den Ruhestand geht, ist noch keine Nachricht, schon gar nicht, wenn er aus dem Zwergstaat Bremen kommt. Aber Rainer Köttgen ist ein Unikat unter den Amtschefs, die in sechzehn Bundesländern für Wissenschaft und Bildung verantwortlich sind. Er fiel auf, weil er mit Verstand und Herz den ewig in der Krise steckenden Schulen und Hochschulen diente - und dabei dreißig Jahre lang nicht resignierte.

Die staatliche Bremer Universität, vor dreißig Jahren als rote Kaderschmiede gestartet, ist dank einer klugen Berufungspolitik auf Kurs gebracht worden - und seit vergangener Woche Überraschungssieger der Exzellenzinitiative. So wie einst der preußische Geheimrat Althoff kümmerte sich Köttgen um jede einzelne Professur persönlich. Dabei half, dass er nie als direktiver Staatsbeamter auftrat, sondern als kluger Ratgeber, dem schwer zu widerstehen war.

Politisch begann der Jurist Köttgen bei Peter von Oertzen, ehemals Kultusminister von Niedersachsen und Leitstern linker Bildungsforscher. Die Überraschung unter Köttgens Amtskollegen war deshalb groß, als ausgerechnet er aus Überzeugung zu den Gründungsvätern der International University Bremen (IUB) gehörte, einer privaten Hochschule. In der Hochschulpolitik trat der einstige 68er über alle Partei- und Ländergrenzen hinweg immer wieder als talentierter, aber nie in den Vordergrund drängender Problemlöser auf. Der Szene, die sich ihrer Zielvorstellungen nie sicher ist, wird er als Brückenbauer fehlen.