Dass die Sozialdemokraten statt zu regieren demnächst lieber demonstrieren wollen - darüber wundert sich Günter Verheugen in diesen Tagen. Zusammen mit den Gewerkschaften will die SPD im Februar in Berlin und Straßburg gegen das Sozialdumping protestieren, das die geplante EU-Dienstleistungsrichtlinie angeblich mit sich bringt. Der EU-Kommissar für Industrie hingegen argumentiert, dass bereits jetzt Garantien zum Schutz von Arbeitnehmern und Umwelt in die Richtlinie eingebaut würden. Die rennen offene Türen ein.

Außerdem: Regiert die SPD nicht in Berlin, könnte sie das Werk also nicht ganz einfach im EU-Rat per Veto verhindern?

Womöglich sollte sich der Kommissar trotzdem ein Beispiel an den Genossen nehmen. Die kommen so zumindest ins Gespräch - was ihm mit seinem jüngsten Projekt nicht so leicht fällt. Vielleicht liegt es am Titel, vielleicht am Inhalt. Jedenfalls muss Verheugen zugeben, dass eine breitere Debatte über die neue Lissabon-Strategie der EU-Kommission nicht stattgefunden hat. Dabei stehen in den dicken Papieren gute Tipps, wie die Mitgliedsstaaten ihre Wirtschaft auf Vordermann bringen können. Deutschland müsste mehr Kinderbetreuung anbieten und schlecht qualifizierte Arbeitnehmer besser integrieren, Europa mehr in Forschung investieren und die Bürokratie abbauen.

Vielleicht sollte es Verheugen mal mit einer Demo probieren.