Takafumi Horie war eine Art japanischer Bill Gates. Er war der Held von Japans trendbewusster Internet-Generation. Er war die Modellfigur eines neuen japanischen Unternehmertums, Darling der wieder nach Japan drängenden amerikanischen Investmentbanken. Seit Dienstag aber sitzt Japans bekanntester Unternehmer im Gefängnis, wo es ihm wie jedem Emporkömmling ergeht: Kaum schwinden Geld und Ruhm, werden auch die Freunde knapp.

In seiner Tokyoter Untersuchungszelle war der bis dato so umgarnte Vorstandschef des Internet-Portals Livedoor auf einmal mutterseelenallein.

Noch am Tag seiner Festnahme verlor er den Posten bei der Firma, die er vor zehn Jahren gründete. Zur gleichen Zeit mahnte Regierungschef Junichiro Koizumi vor dem Parlament, dass auch im neuen Zeitalter die Gesetze gelten.

Das neue Zeitalter? Dafür stand gerade im Regierungsprogramm der Name Horie.

Noch im Sommer hatte Koizumi den 33-jährigen Jungunternehmer um Wahlkampfunterstützung gebeten. Der machte mit, verlieh der liberaldemokratischen Regierungspartei wahlentscheidene Glaubwürdigkeit in den jungen urbanen Wählerschichten. Doch das soll nun vergessen sein. Ebenso die Begeisterung westlicher Investoren für Horie. Erst vergangene Woche hatte die Financial Times aufgerufen, Hories modellveränderndes Beispiel in Japan auf allen Wirtschaftsfeldern nachzuahmen, damit durch mehr Risikofreude auch mehr ausländisches Geld nach Japan fließe. Nach Hories Festnahme schrieb das Londoner Blatt nur noch, dass von dem Internet-Wunderkind außer ein paar Investorentränen nichts bleibe.

Horie werden von der Tokyoter Staatsanwaltschaft präzise Vorwürfe gemacht. Im Herbst 2004 soll seine Holding Livedoor die Übernahme eines Buchverlages per Aktientausch bekannt gegeben haben - obwohl sich der Verlag bereits über Beteiligungen im Besitz von Livedoor befand. Horie hätte damit Investoren bewusst fehlgeleitet. Tatsächlich vervierfachte sich der Aktienwert des nur scheinbar neu übernommenen Verlages. Auch haben zwei gemeinsam mit Horie festgenommene Livedoor-Manager die illegalen Vorgänge bereits gestanden und die Verantwortung für sie auf Horie geschoben. Bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe stehen darauf.

Richtig düster ist die Lage des Internet-Magnaten. Schon wollen die Besitzer des luxuriösen Roppongi-Hills-Komplexes in Tokyo seiner Firma den Mietvertrag kündigen. Schon hat sich der Börsenwert von Livedoor innerhalb einer Woche mehr als halbiert. Wie früher Livedoor andere Internet-Firmen übernommen habe, sei das Unternehmen nun selbst Kandidat für eine Übernahme, sagen Tokyoter Analysten. Doch ist der Fall Horie damit abgehakt? Kann die Japan-AG wieder zur Tagesordnung übergehen? Das wünschen sich zumindest Millionen junge Japaner, die seine coolen Jeans und T-Shirts tragen, die seine genau dokumentierten Essgewohnheiten teilen und auch sonst alles über ihn wissen: von seinem täglichen Blog im Internet.