DIE ZEIT: Herr Grabner, worauf achten Sie bei Einstellungsgesprächen?

Michael Grabner: Mit zunehmendem Alter bekommt man ein Gefühl für Mitarbeiter. Bei einer Führungsposition geht es mir um Wertedimensionen: Ist die Person menschlich gefestigt? Hat sie eine soziale Tangente? Eine betriebswirtschaftliche Vision? Ein rundes, breites und kreatives Denken?

ZEIT: Gar nicht so leicht.

Grabner: Ich habe vor Jahren ein exzellentes Seminar bei einem Schweizer Personalberater absolviert. Der lehrte uns, intensiv nachzufragen, um herauszufinden, ob der Kandidat ein Bluffer ist. Bestes Beispiel: Viele Menschen geben in ihrem Bewerbungsbogen an, sie läsen gerne Bücher. Also frage ich, welches Buch, ob er mir die drei wichtigsten Dinge nennen kann, die er aus diesem Buch für sich herausgezogen hat. Da sehen die meisten schon alt aus.

ZEIT:Helmut Werner, der frühere Mercedes-Chef, ließ die Bewerber von ihren Niederlagen erzählen.

Grabner: Das ist auch eine beliebte Methode. Eigentlich erzählt man meist lockerer und ehrlicher von Niederlagen als von Siegen.