Volle Kraft voraus! Dieser Leitsatz trieb die schreibwütigen Weltreisenden an, denen die Journalisten Rüdiger Barth und Marc Bielefeld in ihrer Anthologie Wilde Dichter huldigen. Hinlänglich erforschte, doch ewig publikumswirksame Lebensläufe knüpften sich die Autoren vor. Fabelhafte Fabulierer feiern Auferstehung: der Harpunier Herman Melville, Austernpirat Jack London, Löwenjäger Ernest Hemingway und sein abenteuererprobtes Vorbild Stephen Crane, Joseph Conrad, der Seefahrer, und B. Traven, der Geheimnisumwitterte. Allerhand halsbrecherische Eskapaden auf den verschlungenen Wegen zum Weltruhm werden nacherzählt - dramaturgisch ausgeklügelt, voller Schwung und Verve. Dass in den Lebemännern, die auf den Weltmeeren fast zu Hause waren, besonders verletzliche Seelen wohnten, zeigen Barth und Bielefeld mit psychologischem Gespür. Ihre biografische Aufarbeitung mag die Annäherung ans Werk erleichtern und B. Travens trotzige These infrage stellen: Die Biographie eines schöpferischen Menschen ist ganz und gar unwichtig.

Rüdiger Barth/Marc Bielefeld: Wilde Dichter. Die größten Abenteurer der Weltliteratur - Malik Verlag, München 2005 - 325 S., 19,90 e