Wenn etwas an dem Satz wahr ist, dass man mit jedem Ticket einen Traum kauft – welchen Traum verkauft dann Condor? 99 Euro. Mallorca. Eine Nacht zum Party-Jet-Set gehören. Und wenn die Strahlen der Morgensonne auf das Mittelmeer fallen, schon wieder zurück nach Deutschland. Schlafen - Tanzen - Schlafen BILD

Man braucht nicht viel Gepäck für die Reise in eine durchtanzte Nacht. Ich nehme Zahnbürste, Haarwachs, Deo mit und sonst nur, was ich am Körper trage. Das enge schwarze Hemd, darüber ein Pullover gegen die deutsche Kälte. Mallorca, so hoffe ich, wird wärmer sein, dann werde ich den Pullover nicht brauchen, erst recht keine Winterjacke. Mallorca, dieses über Jahrzehnte immer wieder gegebene Versprechen schneller Urlaubsfreuden unter spanischer Sonne, wirkt stärker in meinem Kopf als die Wettervorhersage meiner Zeitung: zwölf Grad, bewölkt.

Der Himmel über München ist so dicht in graue Watte verpackt, dass ich für einen Moment befürchte, der Flug könnte abgesagt werden. Dann hieße es Großraumdisco in Bogenhausen statt Nightlife in Palma. Doch die Sorge ist unbegründet, und ich nehme es als gutes Zeichen, dass neben meinem Gate der Schauspieler Moritz Bleibtreu steht und telefoniert.

"Griffig", sagt Andreas und nickt in Richtung der Mädchen

Die Maschine ist halb leer, und zwischen den normalen Mallorca-Reisenden mache ich schnell die anderen Nachtschwärmer aus. Wer sonst bestiege ein Flugzeug im engen T-Shirt, die Haare zur Ausgehfrisur gestylt, die Augen geheimnisvoll bemalt? Noch ehe der Steward die Käsebrötchen verteilt, werden die ersten Gin Tonics bestellt. Der Kopf, der Körper müssen auf Betriebstemperatur kommen für eine heiße spanische Partynacht.

Mallorca ist – eisig. Als die Maschine um acht Uhr abends landet, ist die Sonne längst untergegangen, die Palmen biegen sich in einem schneidenden Januarwind. Und doch sagt Nari, die im Flieger zwei Reihen hinter mir gesessen hat: "Es riecht hier ganz anders als in Deutschland." Die anderen stehen noch unentschlossen vor dem Bus, wo Daniel sie hingeschickt hat. Daniel ist der Reiseleiter von Vtours, dem Veranstalter, der die Partynacht für Condor organisiert. Er hat den unaufgeregten Charme eines Sportreferendars, der seine Oberstufenschüler auf ihrer Klassenfahrt begleitet.

Wenn man von den anderen Nachtreisenden wissen will, wofür sie ihr Ticket gekauft haben, lachen sie über die naive Frage. "Party machen, was sonst?", sagt André aus Mannheim, der mit der anderen Condor-Maschine aus Frankfurt hergekommen ist. Er trägt ein 5-Liter-Fässchen Kölsch unter dem Arm, sein Kumpel Andreas hat die Gläser sorgfältig in einem Karton verstaut. Aber Party machen, das könnten sie doch auch in Mannheim oder Frankfurt. Andreas weist mit einer lässigen Handbewegung auf die Palmen, auf die Kathedrale von Palma, die hinter den Busfenstern auftaucht. "Das ist hier schon etwas anderes als in Frankfurt; und der Himmel ist blau, nachtblau."