Entlassungsproduktivität heißt das Unwort des Jahres und stammt aus der schönen Welt der Marktwirtschaft. Das Wort sagt uns: Nur wenn möglichst viele Menschen heute entlassungsproduktiv auf die Straße gesetzt werden, läuft die Wirtschaft schon morgen wie geschmiert, um die Überflüssigen produktiv wieder einzustellen. So lange will die Bürgerschaft des brandenburgischen Städtchens Guben jedoch nicht warten. Unter Jubelrufen hat sie jetzt dem Leichenhändler Gunther von Hagens erlaubt, mit Sack und Pack im einstigen Traditionsbetrieb Gubener Wolle einen Plastinationsbetrieb einzurichten. Blühende Landschaften sind nicht in Sicht, nun sollen Tote die Wirtschaft beleben. Bekanntlich importiert von Hagens sein Material aus aller Herren Länder, und so ist bald die ganze Welt zu Gast in Guben. Auch ein Plastinations-Workshop ist fest eingeplant - Besucher dürfen bei der Leichenkonservierung zusehen und sich des Lebens freuen. So kann es gehen. Der Sozialismus sollte für die Ewigkeit halten, ist aber mausetot. Nun bewirtschaftet neues Überflusskapital den Gottesacker der Utopie und macht arbeitslose Tote zu Geld. Das ist vitaler Kapitalismus. Süchtig nach Wertschöpfung buddelt er alles aus. Kaum ist man aus dem Leben entlassen, wird er produktiv.