Was tun mit einer Million Euro? Angelos Michaelides hat keinen Jackpot im Lotto abgeräumt, keine Millionenfrage bei Jauch richtig beantwortet und auch keine steinreiche amerikanische Tante beerbt. Trotzdem muss sich der 29-jährige Ire mit Wohnsitz in Berlin mit der Frage beschäftigen. Er ist einer der 25 Preisträger des European Young Investigator Award (Euryi). Seit 2003 wird die Auszeichnung einmal im Jahr von der European Science Foundation, einer Vereinigung der großen staatlichen Forschungsinstitutionen aus zwanzig europäischen Ländern, an 25 junge Wissenschaftler verliehen. Öffentlich ist der Euryi kaum bekannt, doch was die Höhe der Auszeichnung angeht, liegt er mit dem Nobelpreis fast gleichauf. Genau 986000 Euro kann Michaelides für seine Forschung ausgeben.

Teure Laborausstattung braucht der theoretische Chemiker nicht, aber sehr viel Computerkraft. Sein eigenes Gehalt wird jetzt aus dem Preisgeld bezahlt, außerdem kann er vier Mitarbeiter einstellen. "Es ist schon toll, mit 29 Jahren so unabhängig zu sein", sagt er und lacht. "Früher gab es so was doch nur in den USA."

Ohne den Euryi-Preis wäre er ziemlich sicher dort gelandet. "Kulturell bleibe ich aber viel lieber in Europa." Sein Vater war griechischer Zypriot, aufgewachsen ist er mit seiner irischen Mutter in Greencastle, einem Dorf in der Republik Irland. Das College hat er auf der anderen Seite der Grenze im nordirischen Belfast besucht, seinen ersten wissenschaftlichen Job im englischen Cambridge gefunden. Seit 2004 arbeitet er am Berliner Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft. Langweilige Gremiensitzungen bleiben ihm dort jedoch erspart. "Der Preis hat mich vom Gruppenleiter zu einer Art Gast gemacht. So ist Europa ideal."

Anwärter auf den Euryi-Preis sollen einen beeindruckenden Lebenslauf vorweisen können und mit ihrer "aufregenden und hervorragenden" Forschung zur "Weltklasse" gehören, heißt es in der Ausschreibung. "Ein bisschen Glück ist am Ende aber auch noch nötig", meint Neil Williams, Mitglied im Auswahlkomitee. Die recht allgemeinen Auswahlkriterien hätten sehr viele der 600 Bewerber erfüllt.

Für Michaelides kam der Preis auch deshalb gerade recht, weil normale Forschungsförderung für sein Spezialgebiet schwer aufzutreiben ist. Zu banal klingen die Fragen, mit denen er sich beschäftigt: Was passiert zum Beispiel, wenn Wasser auf eine feste Oberfläche stößt? "Man sollte denken, dass das längst bekannt ist", gibt er zu. In der Praxis gehört Wasser zu den am besten bekannten Stoffen, kommt er doch auf der Erde am häufigsten vor. Doch die präzisen Ursachen für die Wechselwirkung des Wassers mit anderen Materialien sind noch weitgehend unverstanden. Erst seit den achtziger Jahren werden sie gründlich auf atomarer Ebene erforscht, und theoretisch können sie überhaupt noch nicht beschrieben werden.

"Die Chemiker wissen sehr gut, wie die Reaktionen ablaufen, aber nicht warum", sagt Michaelides. Er möchte das Zusammenspiel von Atomen mit Oberflächen und ihre Bewegung darauf bis ins Detail erklären und exakt in mathematischen Gleichungen beschreiben. "Es geht um das Verständnis sehr kleiner Systeme mit sehr hoher Genauigkeit." Die Wechselwirkung von 300 Atomen war das Maximum, das Michaelides bisher durchrechnen konnte. 128 Computer mussten zehn Tage lang parallel daran arbeiten.