Die Hamburger Berenberg Bank gilt als eine der feinsten Adressen im deutschen Kreditgewerbe. Und bei ihren Kunden als Hort der Seriosität. Sie ist die älteste Bank Deutschlands und eine der ältesten weltweit. Laute Töne sind in einem solchen Unternehmen verpönt. 400 Jahre. Erfahrung hat Zukunft empfiehlt sich das Geldhaus seinen Kunden.

Auch der Marktkommentar für Anteilseigner und potenzielle Käufer des hauseigenen Dachfonds Berenberg-Select Income-Universal-Fonds bevorzugt die leisen Töne. Die Aussetzung der Rücknahme von Anteilsscheinen beim Grundbesitz-invest der DB-Real Estate zeige eindrucksvoll, wie wichtig das entsprechende Know-how bei der Auswahl von offenen Immobilienfonds ist. Man habe deshalb davon Abstand genommen, problembehaftete ältere offene Immobilienfonds mit Altlasten aufzunehmen, und stattdessen auf sehr interessante junge Fonds zurückgegriffen, machen die Hamburger dezent aber nachdrücklich den Unterschied zwischen der eigenen Expertise und jener der Konkurrenz klar.

Pech nur, dass selbst 400 Jahre Erfahrung in turbulenten Zeiten keine Garantie vor Fehleinschätzungen bieten: Seit Mitte vergangener Woche sind zwei jener jungenFonds ebenfalls geschlossen - und zwar ausgerechnet die, in die die Berenberg-Experten 70 der insgesamt 219 Millionen Euro ihres Dachfonds investiert haben.

Am Dienstag musste der KanAm US Grundinvest die Segel streichen. Bei dem hatten sich die Hanseaten mit 35 Millionen Euro eingekauft. Der Schwesterfonds KanAm Grundinvest folgte am Donnerstag. Dort hielten die Hamburger noch Ende des Jahres ebenfalls Anteile im Wert von 35 Millionen Euro. Die seien, so ein Sprecher, inzwischen verkauft. Über den genauen Zeitpunkt schweigt er sich aus. Beim US Grundinvest hingegen stecken die 35 Millionen Euro für voraussichtlich mindestens drei Monate fest.

Rund zehn Milliarden Euro liegen erst einmal auf Eis

Mit der Schließung der beiden KanAm-Fonds sind innerhalb von nur knapp vier Wochen nun drei offene zu quasi geschlossenen Immobilienfonds mutiert. Das heißt, rund zehn Milliarden Euro liegen dort auf Eis.

Nicht nur die Anleger anderer offener Immobilienfonds werden deshalb zunehmend nervös. Auch bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin), der Bundesbank und in der gesamten Branche herrscht Alarmstufe Rot.