Die Debatte um die Privatisierung der Bahn geht in die entscheidende Runde. Dass der Bund als Eigentümer zumindest einen Teil der Aktien des letzten großen Staatsunternehmens an der Börse platzieren wird, ist beschlossene Sache. Der Koalitionsvertrag lässt lediglich die Gestaltung des Börsengangs offen. Das ist der Gegenstand des jetzt vorgelegten Gutachtens der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton mit dem Titel Privatisierungsvarianten der Deutschen Bahn AG mit und ohne Netz.

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob vor dem Börsengang die Infrastruktur (also Schienennetz, Brücken, Signalanlagen, Sicherheitssystem) aus dem Bahn-Konzern herausgetrennt wird oder nicht. Das Gutachten gibt keine definitive Empfehlung. Stattdessen bietet es, so Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, eine umfangreiche Darstellung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Privatisierungsvarianten. Das demonstrieren die Gutachter anhand von drei Grundmodellen:

Integriertes Modell Die DB AG wird mit ihrer Infrastruktur privatisiert. Die muss aber nach Artikel 87e des Grundgesetzes mehrheitlich in Staatsbesitz bleiben. Folglich kann auch die gesamte Bahn nur zu maximal 49,9 Prozent verkauft werden. Mit diesem Modell könnte die Bahn am schnellsten (von 2007 an) an die Börse gehen, es verspricht zudem den höchsten Erlös.

Eigentumsmodell Die Infrastruktur wird von der Bahn abgetrennt und auf ein Wirtschaftsunternehmen in Bundesbesitz übertragen. Der privatisierte DB-Konzern bliebe aber über einen Pachtvertrag Betreiber des Netzes. Es sind Varianten denkbar, bei denen der Eigentümer des Netzes selbst Aufgaben des Betreibers übernimmt. Mit dieser Methode würde sich der Börsengang verzögern, es entstünden zudem Trennungskosten.

Trennungsmodell Schiene und Betrieb werden vollständig getrennt. Der Staat übernimmt die Infrastruktur und betreibt sie außerhalb der DB AG.

Trassenvergabe, Neubau, Instandhaltung, Planung werden wieder zur Staatsaufgabe. Die Transportunternehmen der Bahn können vollständig privatisiert werden. Hier wäre der Wettbewerbseffekt am stärksten, weil die Bahn ihre Konkurrenten nicht diskriminieren könnte. Die Privatisierung könnte sich bis 2010 verzögern, es käme zu Trennungskosten und Synergieverlusten.

Rechtlich zulässig sind alle im Gutachten diskutierten Varianten. Die komplette Trennung entspricht am exaktesten den Vorgaben der EU-Kommission, bei anderen Lösungen besteht das Risiko, dass Brüssel eine eindeutigere Trennung verlangt.