Es war die Woche der korrigierten Justizirrtümer in der Türkei. Erst traf es Ali Agca, in Westeuropa bekannt als Papst-Attentäter. Für die Schüsse auf Papst Johannes Paul II. im Jahr 1981 hatte Agca in Italien 19 Jahre eingesessen. Zurück in der Türkei, war er 21 Jahre nach der Tat für die Ermordung des liberalen Journalisten Abdi Ipekci 1979 verurteilt worden. Doch statt nach 10 kam der Rechtsradikale schon nach 6 Jahren wieder frei. Die türkischen Medien liefen dagegen so lange Sturm, bis das höchste Gericht befand, man habe sich bei der Strafbemessung verrechnet. Agca musste zurück in den Knast. Tags darauf wurde der Prozess gegen Orhan Pamuk abgesagt. Ohne Rückendeckung des Justizministers mochten die Istanbuler Richter gegen den Autor nicht mehr weiterverhandeln wegen Paragraf 301 StGB, Verächtlichmachung des Türkentums. Nicht Pamuk, sondern Agca hinter Gittern - ein Triumph für die emanzipierte türkische Gesellschaft. Streicht die Regierung nun endlich den unsäglichen Paragrafen 301? Falls notwendig, ändern wir ihn, sagt Ministerpräsident Erdogan. Einsicht hört sich anders an. Es muss also wieder Druck her. Die nächste Gelegenheit: am 7. Februar im Gericht von Istanbul-Bagcilar. Verhandelt wird gegen die regierungskritischen Journalisten Murat Belge, Ismet Berkan, Hasan Cemal, Erol Katörcöoglu und Haluk Sahin. Wegen Verächtlichmachung des Türkentums.