Unter dem Wort Trend stellt man sich - schon durch seine lautmalerische Anmutung - eine schnelle, schnittige Erscheinung vor, die plötzlich da und wieder weg ist - energiegeladen, effizient und irgendwie schlank.

So gesehen, zögert man, ein Phänomen, das sich seit einiger Zeit auf dem Buchmarkt abzeichnet, Trend zu nennen. Denn dieses Phänomen besitzt nicht die Merkmale des Schlanken, Schnittigen. Es besitzt im Gegenteil die Merkmale des Monströsen, Gigantischen, Niederwalzenden. Es handelt sich um bestimmte belletristische Produkte, die fast ausnahmslos von Frauen hervorgebracht werden. Es handelt sich, jetzt mal neutral gesagt, um so genannte Historiensagas. Unneutral gesagt, um die Gattung des süßlichen Geschichtsschinkens.

Diese Gattung liegt also seit einiger Zeit voll in Frauenhand. Das ist auffällig, und man kann sich fragen, warum es so ist. Noch auffälliger aber ist, dass all diese von Frauen hervorgebrachten Schinken ein so unfassbares Volumen haben, dass sie schon optisch die Massigkeit eines Buch gewordenen Sumoringers besitzen. Man kann diese Bücher nur mit zitternden Armmuskeln vor den Augen halten, weil sie mit Vorliebe über 1000 Seiten dick sind. Um nur ein paar aktuelle Bestseller aus dieser Schwergewichtsklasse zu nennen:

Diana Gabaldon: Ein Hauch von Schnee und Asche. Dieser international erfolgreiche Renner (über das 18. Jahrhundert) hat 1331 Seiten. Es ist der siebte (!) historische Roman der Autorin. Die vorangegangenen sechs haben zusammen 5762 Seiten. Rebecca Gablé: Die Hüter der Rose. (England, 15.

Jahrhundert), 1113 Seiten. Frau Gablé lebt am Niederrhein und ist 39 Jahre alt. Dies ist ihr fünfter und längster historischer Roman. Die vier davor lagen quantitativ zwischen 800 und 1024 Seiten.

Brigitte Riebe hält sich mit 543 Seiten ihres Romans Die Hüterin der Quelle (Bamberg, Mittelalter), vergleichsweise bescheiden, aber auch für sie gilt, dass es mit einer Saga nicht getan ist. Sie hat insgesamt schon fünf verfasst. Iny Lorentz, deren Name der durchschnittlichen literarischen Leserschaft nicht unbedingt bekannt ist, übertrifft das alles. Sie hat allein im Jahr 2005 zwei historische Romane auf den Markt gebracht: Die Tatarin (Russland, 18. Jahrhundert) und Die Kastellanin (Deutschland, Mittelalter), im Jahr 2004 Die Wanderhure (auch Mittelalter), im Jahr 2003 Die Kastratin (Italien, Renaissancezeit).

Das alles ist doch eigentümlich, oder? Wieso kommt es zu derartigen Entladungen, wenn schreibende Frauen sich über die kollektive historische Fernerinnerung hermachen und deren belletristische Verwaltung in Beschlag nehmen? Wieso hat diese Sagaschreiberei gleich so was Maßloses, ins Gewaltige Gehendes? Und, ehrlich gesagt, auch so was Gebieterisches und Einschüchterndes? Man wird, vor dem Gebirge (Stapel ist hier nicht das richtige Wort) dieser Wälzer sitzend, ganz klein und stumm. Man versteht nicht so recht, welche vulkanischen Kräfte es sein könnten, die hier auf dem Gebiet weiblicher Kreativität rumoren. Aber man versteht irgendwie, warum es Männer gibt, die zeitlebens vor Spinnen und Geheimdiensten weniger Angst haben als vor Frauen und ihren Bratpfannen.