Da der Mensch durch Konkurrenz und Auslese geworden ist, was er ist, kann er nicht anders als vergleichen. Unsere Liebe zum Superlativ rührt daher. Und die Besessenheit, in Turin 84 Goldmedaillen an Schnellste, Beste, Stärkste zu verteilen. Eine irische Brauerei macht Umsatz, indem sie Bücher voller Weltrekorde verkauft. Egal, in welchem Bereich der Mensch misst und vergleicht, überall fallen haufenweise Superlative an.

Zum Beispiel in der Meteorologie. Der trockenste und der nasseste Platz auf unserem Planeten sind bekannt. Es gibt ein kältestes Dorf der Welt. Sogar einen Ort mit dem schlechtesten Wetter, und damit nicht immer alle behaupten, das sei Hamburg, wird er verraten: Mount Washington.

Im Prinzip gibt es auch schon einen schneereichsten Ort. Am Mount Baker in den USA sammelten sich im Winter 2002/03 ganze 28,96 Meter Schnee an. Mit neuen Kriterien lässt sich aber auch in dieser Disziplin noch ein Weltrekord finden. Der Nürnberger Journalist Reinhardt Wurzel hat »das schneereichste bewohnte Dorf der Welt« ermittelt, dank Daten von Wetterdiensten, Kachelmann und Internet-Archiven. Diese Woche wird Damüls in Vorarlberg (Österreich) zum Weltrekorddorf gekürt. 9,30 Meter pro Saison.

Der Wettbewerb zeigt aber auch: Wer viel hat, kann erst recht nicht genug kriegen. Damüls hat Schneekanonen. Das zweitplatzierte Schröcken (Österreich) ballert ebenfalls. Auch das drittplatzierte Braunwald (Schweiz) hat sich mit Artillerie eingedeckt. Konkurrenz ist Krieg.Urs Willmann