Anfangs stand hinter dem Titel noch ein scheues Fragezeichen. »The Clash of Civilizations?« hieß der Aufsatz, den der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington im Sommer 1993 in der Zeitschrift Foreign Affairs veröffentlichte und mit dem der angesehene Forscher auf einen Schlag in der breiten Öffentlichkeit berühmt wurde. Tatsächlich schien der Harvard-Professor den Schlüssel zur Erklärung der Weltlage gefunden zu haben: Im 21. Jahrhundert, so behauptete er, werde der alte Staatenkonflikt vom »Kampf der Kulturen« verdrängt. Während sein Kollege Francis Fukuyama noch fröhlich das »Ende der Geschichte« und den unblutigen Sieg von Marktwirtschaft und Liberalismus ausrief, tauchte Huntington das Weltgeschehen ins düster flackernde Licht von Konflikt, Kampf und Krieg. Sieben oder acht civilizations würden künftig in der globalen Arena aufeinander stoßen – eine westliche, konfuzianische, japanische, islamische, hinduistische, slawisch-orthodoxe, lateinamerikanische und vielleicht auch eine afrikanische. Diese Großeinheiten seien durch Sprache, Geschichte und Religion radikal voneinander geschieden, zutiefst unverträglich und zudem Feinde Amerikas. »The rest against the West.«