Die Drohung steht seit langem im Raum: Am Ende der Affäre werde der Boden übersät sein mit Leichen – wie in einer Shakespeare-Tragödie. So hat es Hans Dichand, der greise Regent der Kronen Zeitung, einst prophezeit. Tatsächlich fordert der Krieg, den er gegen seine Geschäftspartner von der WAZ führt, immer neue Opfer. Eine Tragödie ist er allerdings nicht. Eher eine Boulvardkomödie. Seit vergangener Woche wird sie nun um Slapstickeinlagen bereichert.

Der Casus Belli bestand darin, dass der 85-jährige Dichand nach dynastischer Tradition seinen Sohn Christoph in der Chefredaktion der Krone inthronisieren wollte. Dagegen erzwang die WAZ einen Mann ihres Vertrauens an einer redaktionellen Doppelspitze: den früheren Sportressortleiter Michael Kuhn.

Das ertrug der majestätische Stolz des alten Herrn eine Zeit lang mehr schlecht als recht. Immer häufiger machte er düstere Ankündigungen. Plötzlich muss ihm der faule Kompromiss doch seine Tage zu sehr verfinstert haben. Kurz entschlossen kündigte er Kuhn fristlos und verwies ihn des Hauses. Der Portier wurde angewiesen, dem Verfemten den Zutritt zu verwehren. Sogar Kuhns Frau, die das astrologische Serviceelement der Krone betreut, wurde kurzfristig die Zutrittsberechtigung entzogen, damit sich Kuhn nicht unter Verwendung ihres Ausweises einschleichen könne.

Der verbannte Chefredakteur schaffte es dennoch, in das Allerheiligste vorzudringen. Er leitete sogar Redaktionskonferenzen in Abwesenheit von Dichand junior und benutzte nach wie vor sein Büro. Allerdings waren ihm sein Internet-Zugang und sein Dienstmobiltelefon abgedreht worden. Nun wird er geduldet – als Besucher.

Kurz darauf erhob die Redaktionsversammlung einstimmig Protest gegen das Vorgehen ihres Herren und Meisters – im Reich des Boulevardkönigs ein ungeheuerlicher Vorgang und eine gefährliche Erosion seiner Allmacht. Jetzt wandert der Streitfall wieder zu jenem Schweizer Schiedsgericht, das zuletzt die von der WAZ beantragte Absetzung Dichands als Geschäftsführer der Krone abgelehnt hatte.

Zwar verlangt die dramaturgische Logik nach einem Happy End, doch Hans Dichand scheint es nach wie vor nach einem Shakespeare-Finale zu gelüsten. Vielleicht kann jetzt nur noch die Rückkehr des verlorenen Ziehsohns Hans Mahr die Komödie retten. Nach seinem Abgang bei Premiere orakelt der frühere Krone-Mann ja bereits von neuen Taten.