Peinlich. Ausgerechnet dieses Angebot ist im Internet nicht mehr zu haben. Dabei soll es zeigen, wo es künftig langgeht. Mit dem T-Online-Vision-Paket wagt sich die Deutsche Telekom auf neues Terrain: Sie steigt ins Mediengeschäft ein. Ihren Kunden verspricht sie ein völlig neues Fernsehgefühl: »Kein Warten mehr auf Sendezeiten!«, heißt es. Jeder sei ab sofort sein eigener Regisseur, lautet die vollmundige Werbung. Und nun das: Lieferstopp. Der Versand des Basispakets musste ausgesetzt werden, weil es knapp wird im Lager. Nur in den T-Punkt-Läden und im Fachhandel sei es noch zu haben. BILD

Eine Panne, die auch Gutes hat. Die starke Nachfrage lässt die Marktstrategen hoffen. Ihr Glück: Im Augenblick fällt der Engpass nur wenigen auf. Das dürfte sich bald ändern. Wenn im August die neue Saison der Fußballbundesliga startet, wird die Telekom die Spiele über ihre Datenleitungen übertragen. Eine Premiere. Misswirtschaft kann sich der Konzern dann nicht mehr leisten.

Bedrängt von agilen Mitspielern am Markt, prescht die Telekom neuerdings vor. Sie steckt Milliarden Euro in moderne, schnelle Leitungen, um mit neuen Diensten und Produkten die schrumpfende Kundenzahl zu stabilisieren. Fernsehen via Internet ist dabei nur eine der Innovationen. Gleichzeitig verschmelzen Mobilfunk und das Festnetz – für die Telekom Chancen und Herausforderungen zugleich. Rivalisierende Interessen der Spartenfürsten innerhalb des Konzerns sorgen für so manchen Fehlpass. Trotzdem kann die Telekom inzwischen mit neuen Geräten und Kombi-Tarifen punkten.

Acht Jahre nach Öffnung des Marktes, so scheint es, geht der Wettbewerb in Deutschland erst richtig los. Zwar gerieten in der Vergangenheit die Preise fürs Telefonieren und Surfen mächtig ins Trudeln. Viel Neues aber brachte die Branche nicht hervor. Hocherfreut war deshalb Matthias Kurth, der Chef der Bundesnetzagentur, als er jüngst von einem »starken Innovations- und Investitionsschub« berichten konnte.

Kabellos, live oder zeitversetzt: Die neue Freiheit auf der Couch

Dabei spielt ausgerechnet der Exmonopolist eine tragende Rolle. Weil ihm das klassische Geschäft mit dem Festnetz wegbricht, muss er sich etwas einfallen lassen, sollen nicht noch mehr Jobs verloren gehen. Rund 120000 Stellen wurden im Zuge der Liberalisierung bereits abgebaut. 32000 weitere sollen bis 2008 folgen. Der Chef der Festnetzsparte, Walter Raizner, macht jetzt Ernst. In seiner Zentrale dürfen von 8000 Mitarbeitern nur 1200 bleiben. Alle anderen werden umverteilt – oder sollen gehen. »Die T-Com von morgen wird nichts mehr mit der T-Com von heute zu tun haben«, kündigte Raizner bereits im vergangenen Jahr während der Berliner Funkausstellung an. Und um keinerlei Zweifel aufkommen zu lassen, wie schmerzhaft das wird, fügte er noch hinzu: »Es geht um eine Operation am offenen Herzen.«

Telekom-Konzernchef Kai-Uwe Ricke gerät von allen Seiten unter Druck. Zum einen werden die Gewerkschaften nervös. Sie haben lange stillgehalten. Zum anderen steht er unter der Fuchtel der Bundesnetzagentur. Dort sitzen Marktkontrolleure, die jeden seiner Schritte akribisch überwachen – geplant ist nun ein ganz großer. Satte 3,3 Milliarden will die Telekom demnächst in ein Hochgeschwindigkeitsnetz investieren. Das soll 5000 Stellen retten. Doch erst einmal hat die Initiative einen heftigen Streit ausgelöst. Muss Ricke der Konkurrenz sofort den Zugang zum neuen Netz verschaffen? Der Telekom-Chef lehnt das ab, weil er – wie jeder andere Unternehmer – ein Recht auf Pioniergewinne reklamiert. Bekommt er das nicht, will er das Projekt wieder stoppen.

Festnetzchef Raizner schwärmt bereits: »Es werden völlig neue Anwendungen entstehen, an die wir heute noch gar nicht denken.« Erst einmal wird das Fernsehen eine wichtige Rolle übernehmen. Aber wer guckt schon Fußball am PC, nur weil die Telekom die Online-Rechte für die Übertragung der Bundesligaspiele ergattert hat? Niemand. Deshalb vertreibt der Konzern in seinen Vision-Paketen kleine Boxen, die es möglich machen, die Signale auf den Fernseher zu übertragen. Kabellos per Funk. Live und zeitversetzt. Das lästige Strippenziehen hat also ein Ende. Und jeder Fan kann zu jeder gewünschten Zeit das Spiel seiner Mannschaft verfolgen. Hinzu kommt noch »eine große Auswahl an kostenfreien und relevanten TV-Kanälen«, verspricht der T-Com-Chef. Außerdem sind bereits Spielfilme on demand im Programm, also auf Abruf und gegen Cash.