Der Anfang ist schwer: Sinfonisches Gewaber, Kirchenglocken, psychedelische Geräuschfetzen. Darüber die dramatische Gitarre in höchsten Lagen. Fast scheint es, als knüpfe David Gilmour dort an, wo die meisten Leute ihn und seine Band Pink Floyd zum letzten Mal wahrgenommen haben. Beim Dinosaurier-Art-Rock der Spätphase, der logistisch wie künstlerisch nur noch mit 48 Sattelschleppern zu bewegen war. Geile Effekte, Alter, hätte man in den Siebzigern gesagt – und den Joint weitergereicht. Pink Floyd galten damals als Grund dafür, dass der Punk erfunden wurde. Doch dann scheint es, als wäre da eine Tür aufgegangen und hätte das Leichte hereingelassen. On An Island , der Titelsong, getragen von Gilmours weltentrückter Stimme. Ach ja, außerdem singen da noch David Crosby und Graham Nash. Drei weißhäuptige Althippies, die sechseinhalb Minuten Schwerelosigkeit vorführen.

David Gilmour wohnt und spielt nah am Wasser. Sein Hausboot auf der Themse ist zugleich sein Studio. Mit an Bord sind unter anderem: Phil Manzanera, früher angeheuert bei Roxy Music, und Robert Wyatt, noch so eine Legende. Da kann man es langsam angehen lassen. Gilmours Gitarrensound ist in das kollektive Gedächtnis mehrerer Generationen eingraviert. Das zeigte auch der singuläre Wiedervereinigungs-Auftritt von Pink Floyd bei Live 8 im letzten Juli. Ein Ton genügte, um bei fast jedem Menschen jenseits der 40 verschüttete Erinnerungen zu wecken. Und plötzlich sprach niemand mehr von alten Säcken. Pink Floyd, zusammen 244 Jahre alt, waren in ihrer souveränen Altsackhaftigkeit die Sensation des Abends.

Roger Waters, Gilmores ewiger Antipode, schreibt mittlerweile Opern und will demnächst allein mit Dark Side Of The Moon auf Tournee gehen, jenem Album, das 14 Jahre in den US-Charts platziert war. Gilmour geht den umgekehrten Weg. Auf On An Island (EMI) scheint er die Entwicklung von Pink Floyd rückwärts zu durchlaufen. Von der pompösen Ouvertüre hin zu immer leiseren, klügeren, feineren Songs. In der Beschränkung liegt die Weisheit. Nicht von ungefähr erinnert manches an Wish You Were Here – zum Beispiel die Glasharfe. Auch wenn Gilmour genau das nicht wollte: On An Island ist vielleicht das beste Pink-Floyd-Album seit 30 Jahren.