Es erscheint wie ein Sieg der IG Metall: Der schwedische Konzern Electrolux muss tief in die Tasche greifen, um sein AEG-Werk in Nürnberg schließen zu dürfen. Mit wochenlangen Streiks hat die Gewerkschaft einen 150 Millionen Euro teuren Sozialplan erkämpft. Die 1700 in Nürnberg beschäftigten AEG-Werker haben danach Anspruch auf Abfindungen und schon vom 53. Lebensjahr an auf Vorruhestandsgeld. Es sei der beste Sozialtarifvertrag, der je abgeschlossen wurde, frohlockt die Gewerkschaft. Wichtiger noch aus ihrer Sicht: Sie hat mit ihrem rechtlich umstrittenen Streik signalisiert, dass sie nicht mehr tatenlos zusieht, wenn Jobs verlagert werden. Zur Not treibt sie die Kosten bis an die Schmerzgrenze.

Das Signal ist angekommen. Aber was wird damit erreicht? Nichts. Die Globalisierung lässt sich auf diese Weise nicht aufhalten. Wenn etwas im Ausland kostengünstiger produziert werden kann, dann wird es über kurz oder lang dorthin wandern. Unternehmen können hiesige Standorte auch weniger geräuschvoll als in Nürnberg abwickeln, sie können sie langsam schrumpfen lassen und neue Investitionen nur noch im Ausland tätigen. Oder sie können schlicht im Wettbewerb untergehen.

Deshalb sollte die IG Metall mit mehr Kraft für bessere Standortbedingungen kämpfen, statt sich in eine Schlacht um Abfindungen oder, wie diese Woche, in einen Streik für die Steinkühler-Pause zu verbeißen. Und Politiker wie Oskar Lafontaine oder Franz Müntefering sollten - statt sich vor den Nürnberger Streikposten ablichten zu lassen, auf Kapitalisten zu schimpfen und Mindestlöhne zu fordern - künftig lieber nachdenken, wie sie etwa horrend hohe Lohnnebenkosten senken. Das wäre viel wirksamer.