Kurz ist das Gedächtnis, aber groß war die Empörung, als im vergangenen Winter bekannt wurde, was unsere Abgeordneten so nebenbei alles verdienen. Manche sogar, ohne dafür zu arbeiten. Nun müssen die neu gewählten Bundestagsabgeordneten erstmals Auskunft darüber geben, wie hoch ihre Einkünfte aus Nebentätigkeiten sind. Keine exakte Summe wird veröffentlicht, die Bürger sollen lediglich erfahren, in welcher Größenordnung sich das Zubrot ihrer gewählten Vertreter bewegt (zwischen 1000 und 3500 Euro monatlich, zwischen 3500 und 7000 Euro oder über 7000 Euro).

Die maßgeblichen Verhaltensregeln sind bewusst vorsichtig formuliert, dennoch klagen nun sechs Abgeordnete gegen die Neuregelung, unter ihnen Friedrich Merz. Der will zwar seine Steuererklärung auf einen Bierdeckel pressen, braucht aber schon jetzt einen DIN-A4-Bogen, um alle Aufsichtsratsmandate, die er wahrnimmt, zu benennen.

Die Kläger – Vertreter von CDU, CSU, SPD und FDP – argumentieren, dass die Veröffentlichung ihr Recht auf freie Berufsausübung beeinträchtige. Was sie dabei übersehen: Die Verhaltensregeln dienen dem Selbstschutz der Abgeordneten. Gerade weil der Verdacht, Politiker seien Abzocker, genauso falsch wie weit verbreitet ist, hilft gegen den bösen Ruf nur eines: Transparenz.

Im Übrigen wird niemand gezwungen, für den Bundestag zu kandidieren. Nicht einmal Friedrich Merz.