Deutschlands schönstes Haus steht an der Seine. Selbst in der Fülle der Pariser Adelspaläste gilt die deutsche Botschaft im Palais Beauharnais als einzigartiges Prunkstück. So gern sich die Pariser Gesellschaft in den Stadtschlössern des Regierungsviertels im Faubourg Saint-Germain einfindet, so ermüdet reagiert sie doch auf die höfische Pracht der Festsäle mit ihren vergoldeten Ornamentgewittern und Tapisserien im Stil des verschärften Hoch- und Spätrokoko. Solche Besuche gelten als höhere Alltagspflicht, wogegen eine Einladung ins Beauharnais mit seinem baumbeschatteten englischen Park neben dem Orsay-Museum Sonntagsgefühle weckt. Nirgendwo hat sich in Paris ein vergleichbares Interieur im reinen Stil des napoleonischen Konsulats und Empires erhalten. Zwar ist jeglicher Napoleon-Kult in Frankreich seit langem offiziell verpönt. Aber vielleicht gerade deshalb macht Paris so gerne die Zeitreise zurück zum Höhepunkt von Frankreichs kontinentaler Vorherrschaft.

Seit fast 200 Jahren residieren die deutschen Botschafter im Palais Beauharnais an der Rue de Lille. 1818 hatte König Friedrich Wilhelm III. das Haus als preußische Gesandtschaft erworben. Der Vorbesitzer Eugène de Beauharnais, Sohn von Napoleons späterer Ehefrau Josephine und Vizekönig, hatte in trügerischer Vorfreude auf die Thronfolge den 1713 errichteten Palast derart aufwändig ausschmücken lassen, dass der empörte Soldatenkaiser ihm das Prachtstück schließlich wieder entzog. Trotz heftiger Verschleißnutzung behandelten alle deutschen Gesandten seitdem das Haus mit so viel Respekt, dass es als wichtigster Sehnsuchtsort imperialen Kunstempfindens überdauert hat.

Für das deutsch-französische Verhältnis sei das Beauharnais schon die halbe Miete, meint der Kunsthistoriker Peter W. Gaehtgens. Vor fünf Jahren begann der Frankreich-Experte aus Berlin, den Palast zu inventarisieren und mit der Bundesbaudirektion schrittweise in seinen Originalzustand zurückzuversetzen.

Ursprünglich suchte Gaehtgens nur ein Studienobjekt für seine Stipendiaten am Deutschen Forum für Kunstgeschichte, das er 1997 in Paris als halb privates Liebhaberprojekt gegründet hatte. Doch aus der Fingerübung der Nachwuchsforscher wurde mehr. Als letztes Jahr die ersten Säle in ihrer ursprünglichen Ausstattung wieder eröffnet wurden, schwärmten die versammelten Direktoren der Königsschlösser von Paris von einer Wiederauferstehung ihres nationalen Kunsterbes.

Sphinx-Gestelle im restaurierten Palais Beauharnais

Auf heutige Augen strahlt die ursprüngliche Pracht, entworfen von den Empire-Erfindern Percier und Fontaine, eine prunkvolle Frühmodernität zwischen Biedermeier und Art déco aus. Ältere Franzosen verspürten beim ersten Anblick eher einen psychedelischen Farbschock. Lange Zeit hatten die ausgeblichenen Seidentapeten in anderen Schlössern als Vorbild für Renovierungen gedient, weshalb das Palais zuletzt die Anmutung eines pastellfarbenen Kurhauses der fünfziger Jahre hatte. Nun aber knallen wieder Pompeji-Rot und Olivgrün durch die Enfiladen, altrömische Goldreliefs rieseln von den Wänden, und viele der fast vollständig erhaltenen Originalmöbel mit ihren Schwanenhalslehnen, Löwentatzenbeinen und Sphinx-Gestellen gibt es in dieser Qualität nicht einmal im Louvre. Auch Themenräume wie das türkische Boudoir und Badezimmer sind selten zu sehen. Der renovierte Portikus im Ehrenhof, ein Replikat des ägyptischen Tempels von Dendera, zählt zu den wenigen erhaltenen Erinnerungen an Napoleons Orientexpedition.

Ginge es nach den Franzosen, gebührte dem Forschungszentrum von Peter W.