Auch Kasparow hatte ihr eine große Zukunft vorhergesagt – und doch war es für Elisabeth Pähtz aus Kerspleben bei Erfurt etwas Besonderes, als sie in Istanbul zum zweiten Mal hintereinander Juniorenweltmeisterin wurde, diesmal in der Altersklasse U 20. In der Zeitschrift Schach schildert sie anschaulich, wie es trotz starker Gegnerschaft vor allem aus dem Bereich der ehemaligen Sowjetunion dazu kam.

Wichtig war offenbar, vorher zu Hause drei Wochen hintereinander jeden Tag zu joggen: "13 Runden sind viel, da werden viele müde und haben am Ende konditionelle Probleme." So weit, so gut und verständlich, aber Conditio sine qua non war etwas anderes: "Das Wichtigste für mich ist, dass ich mich nicht zu Tode langweile!" Und das gelang, indem sie häufig mit ein paar russischen Freunden in die Sauna ging und mit den anderen deutschen Teilnehmern abends Kniffel, Skat und Billard spielte: "Das hat mich entspannt, und erst am nächsten Vormittag habe ich mich wieder auf Schach konzentriert." Wobei der Vormittag bei Elisabeth Pähtz eher kürzer ausfiel: "Ich bin so zwischen zwei und drei ins Bett gegangen und hab’ bis zehn, elf geschlafen."

Nun ist Elisabeth ohnehin durch ihren aggressiven, taktisch geprägten Stil bekannt, andererseits kann es nicht schaden, zusätzlich etwas Furcht einzuflößen. Was liegt da näher, als pechschwarze Kleidung mit einem Hut und dunklem Lippenstift zu kombinieren: "Wenn du gefährlich aussiehst, haben die mehr Angst vor dir."

Doch sicher war es selbst für die gefährliche Elisabeth beruhigend, dass sie vorher ihr Abitur und den Tauglichkeitstest als (bezahlte) Zeitsoldatin für die Bundeswehr – wobei sie das Vaterland schachspielend verteidigen wird – bestanden hatte, indem sie beispielsweise auf die Frage "Was machen Sie, wenn jemand mit einem Gewehr vor Ihnen steht?" die richtige Antwort gab: "Da muss ich den eben zuerst abknallen, sonst bin ich tot." Nicht umsonst wohl ist Schach eine Allegorie des Kriegshandwerks.

Sehen Sie, wie Elisabeth Pähtz als Weiße am Zug den aus seiner Höhle in Richtung feindliches Lager vertriebenen schwarzen König der Norwegerin Jorunn Brekke mit einem kleinen Opfer schnellstmöglich matt setzte, wobei allerdings auch ein anderer Weg etwas langsamer zum Ziel geführt hätte?

Auflösung aus Nr. 9:

Mit welcher Opferkombination setzte Weiß den Gegner schnell matt? Nach dem Springeropfer 1.Sf6+! mit der Absicht 1…exf6 2.Dxe6+ Kf8 3.Dg8+ Ke7 4.Df7 matt ist dem schwarzen König nicht mehr zu helfen. Schwarz versuchte noch 1…Kh8 , gab aber nach 2.Td8+ Kg7 3.Tg8+ angesichts des Matts nach 3…Kxf6 4.Dxe6 schon auf