Wal-Mart hat in den USA eine Bankzulassung beantragt. Nun zittert das Finanzgewerbe vor der Konkurrenz des Einzelhandelsriesen, der rund 300 Milliarden Dollar jährlich umsetzt. Bei der FDIC - dem US-Einlagensicherungsfonds, der auch die zuständige Aufsicht innehat - liefen 1500 Stellungnahmen von Gegnern der Wal-Mart-Pläne ein, so viele wie bei keinem Antragsteller zuvor.

Nicht nur die Größe macht Wal-Mart zu einem gefürchteten Quereinsteiger. Mit seiner aggressiven Niedrigpreisstrategie hat der Händler schon viele Branchen aufgerollt. Camden R. Fine, Präsident der ICBA, der Interessenvertretung der US-Regionalbanken, macht aus seiner Angst keinen Hehl: Egal in welchen Bereich Wal-Mart eingestiegen ist - Spielzeug, Supermärkte oder Eisenwaren -, über kurz oder lang haben sie die Konkurrenz weggefegt. Er warnt, der Discounter könnte seine Einkaufsmacht spielen lassen und Zulieferer unter Druck setzen. Was würde ein Unternehmen tun, das 30 Prozent der Gewinne mit Wal-Mart erwirtschaftet, wenn Wal-Mart plötzlich verlangte, die Bankverbindung künftig über seine Hausbank abzuwickeln, um Transaktionskosten zu sparen? Laut Wal-Mart soll die geplante Finanzsparte rund 140 Millionen Kredit- und Bankkartentransaktionen abwickeln, die bei dem Einzelhändler monatlich anfallen. Damit könnte der Einzelhändler die externen Abwicklungsgebühren sparen. Das sind entgangene Geschäfte für die Finanzinstitute - und deswegen macht ihnen diese Entwicklung wirklich Angst, sagt Peter Wallison, Bankenexperte beim Forschungsinstitut American Enterprise Institute. Wal-Mart gibt sich derweil optimistisch. Wir gehen davon aus, die notwendigen Bedingungen für eine Zulassung zu erfüllen, sagte ein Unternehmenssprecher. Angesichts des öffentlichen Drucks hat die FDIC jedoch für April mehrere Anhörungen zu dem Wal-Mart-Antrag anberaumt - zum ersten Mal seit Bestehen des Sicherungsfonds.