Mit so genannten Poison Pills, mit finanziellen Giftpillen, versuchen Unternehmen, bei einer feindlichen Übernahmeofferte dem Käufer seine Absicht zu vergällen. Klassische Klauseln sind etwa das Recht der Aktionäre auf eine Sonderdividende oder die Ausgabe von Gratisaktien im Fall eines feindlichen Übernahmeangebots, was die Übernahme für einen potenziellen Käufer uninteressant machen würde. Mit einer Giftpille der besonderen Art versuchte vor gut zwei Jahren der Software-Konzern PeopleSoft - allerdings erfolglos - die Übernahme durch den Konkurrenten Oracle zu verhindern: Für den Fall, dass Oracle die PeopleSoft-Programme nicht weiterpflegen sollte, bekam jeder Kunde das Recht auf Rückerstattung des Kaufpreises.

Auch Anleihengläubiger können mit bestimmten Klauseln in den Anleihenbedingungen davor geschützt werden, dass das Unternehmen nach Gutdünken ausgeschlachtet wird und so seine Kreditwürdigkeit sinkt. Dabei gibt es zwei Varianten.

Kündigungsrecht Über entsprechende Klauseln in den Anleihenbedingungen kann dem Investor ein Kündigungsrecht eingeräumt werden, wenn wichtige Ereignisse wie eine Fusion, der Verkauf bedeutender Unternehmenssparten oder eine Verschlechterung des Ratings eintreten. Tritt das dort definierte Ereignis ein, kann der Anleiheninhaber die sofortige Rückzahlung des Nennwertes verlangen. Wird ein Unternehmen übernommen, muss in diesem Fall der Käufer die entsprechende Summe für die Ablösung der Anleihe in seinen Finanzierungsplan mit einkalkulieren.

Zinsanpassung. Bei einer Zinsanpassungsklausel werden die Anleiheninhaber mit höheren Zinsen entschädigt, sollte das Ausfallrisiko steigen und die Bonität des Unternehmens sich verschlechtern. Die Klausel kann sowohl an Bilanzkennzahlen wie Verschuldungsgrad, Cashflow oder Unternehmensgewinn als auch an die Bonitätsnoten von Ratingatenturen gekoppelt werden.

Verschlechtern sich diese Werte, erhalten die Anleihengläubiger automatisch einen entsprechenden Zinsaufschlag. Solche Klauseln gibt es bei einigen Anleihen der Deutschen Telekom.

Allerdings sind solche vertrauensbildenden Maßnahmen gegenüber den Anleiheninvestoren am Kapitalmarkt bislang noch eher die Ausnahme. Wie weit hinten das Thema in den Konzernzentralen momentan noch auf der Prioritätenliste steht, offenbart die Internet-Suche bei Google: Das Stichwort Bondholder-Value ergibt gerade mal 319 Treffer, Shareholder-Value hingegen mehr als zwei Millionen. Die einzige Möglichkeit der Anleihengläubiger, ihren Unmut zu zeigen, besteht darin, in einen Käuferstreik zu treten, beschreibt Research-Chef Werner Krämer von Lazard Asset Management Deutschland die derzeitige Lage. Würde dies tatsächlich häufiger passieren, dürfte Bondholder-Value nicht nur auf der Google-Trefferliste weiter nach vorn rücken.