Plötzlich sind sie wieder da: die Zwillinge der außerparlamentarischen Schattenregierung, die sich in einem fein verästelten Verteilungsgeflecht traditionell die Macht in Staat und Gesellschaft teilten. Häufig totgesagt, feiert die Sozialpartnerschaft ganz demonstrativ den zweiten Honeymoon.

Auf der einen Seite profiliert sich Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl, indem er im Namen der "Wirtschaft" die Regierung immer wieder mit kritischen Seitenhieben versieht. Er beanstandet etwa die von der BZÖ-Ministerin Ursula Haubner formulierte Schwerarbeiterreglung oder nörgelt an der Gugginger Elite-Uni-Entscheidung der ÖVP-Granden herum, obwohl er als Präsident des Wirtschaftsbundes ja auch ein Spitzenvertreter der dominierenden Regierungspartei ist.

Honeymoon in einer Partnerschaft der Angst

Auf der anderen Seite nimmt es Gewerkschaftsboss Fritz Verzetnitsch in Kauf, dem Konfrontationskurs der SPÖ durch sorgfältig inszenierte Gemeinsamkeit mit der Wirtschaftskammer Kraft zu rauben. Dass er deshalb immer wieder als möglicher Vizekanzler ins Gespräch gebracht wird, sollte Alfred Gusenbauer sein Kanzler-Wahlziel verfehlen, mag Verzetnitsch nicht ganz in sein Konzept passen, doch solche Spekulationen sind unvermeidlich, wenn ein ÖGB-Präsident als kompromissbereiter Softie auftritt.

Für die Regierung ist das Zusammenspiel zwischen Leitl und Verzetnitsch nicht ungefährlich, vermitteln die beiden doch das Bild eines harmonischen und großkoalitionären Duos, auf das die Regierung kaum Einfluss zu haben scheint.

Die Sozialpartnerschaft zählt, wie die Neutralität, zu den heiligen Kühen der Republik: Wer an ihr rüttelt, nimmt Schaden. Kritik an der Sozialpartnerschaft mag zwar von den Vertretern reiner Lehren kommen – von den Anhängern einer uneingeschränkten Marktwirtschaft ebenso wie von den letzten Marxisten im Lande. Aber wie die Neutralität vermittelt die Sozialpartnerschaft ein Gefühl wohliger Wärme: Andere mögen sich in endlosen Arbeitskämpfen aufreiben – tu, felix Austria, harmoniere.