Anschalten und sofort loslegen – mit diesem Versprechen wirbt Microsoft für sein neues Betriebssystem Vista, das von Mitte des Jahres an das alte Windows XP ersetzen wird. Das lästige Hochfahren des Computers soll entfallen. Die wichtigsten Teile des Betriebssystems wie Gerätetreiber, Voreinstellungen et cetera müssen nicht mehr von der Festplatte in den Arbeitsspeicher geladen werden. Sie sind im so genannten Flash-Speicher sofort verfügbar. Die daumennagelkleinen Chips mit ihrem fast festplattengroßen Speicherplatz stecken längst in Digitalkameras und MP3-Playern, nun erobern sie auch die Computer. BILD

Zwar ist der Platz in einem Flash-Speicher noch hundertmal so teuer wie auf einer Festplatte. Doch ein Gigabyte ist für den Computerschnellstart mehr als ausreichend und kostet nur noch 50 Euro. Mit dem neuen Microsoft-Betriebssystem kommen Hybridfestplatten auf den Markt. Sie verbinden die Vorteile billiger Festplatten mit denen der Flash-Speicher. Die Festplatte muss nur noch anspringen, wenn der Flash-Speicher voll ist oder ältere Daten benötigt werden, die nicht dort lagern. Das spart auch Strom, die Akkuladung eines Laptops soll 10 bis 15 Prozent länger halten.

Chang-Gyu Hwang ist Chef der Chip-Abteilung des koreanischen Konzerns Samsung, der über die Hälfte aller Flash-Speicher produziert. Er denkt längst weiter. "Bald werden wir genug Kapazität erreichen, um Festplatten überflüssig zu machen", sagte er im vergangenen September und sorgte für große Aufregung in der Fachwelt. Die erlebt gerade eine Erfolgsstory, die sich höchstens mit den goldenen Jahren des PC- und Internet-Booms vergleichen lässt. Allein im vergangenen Jahr ist der Umsatz mit Flash-Speichern um fast zwei Drittel gewachsen, hat die 10-Milliarden-Dollar-Grenze überstiegen und liegt damit nur noch knapp hinter dem Volumen des Weltmarkts für Rechnerchips, dem Kern jedes Computers. Fast genauso schnell purzeln die Preise. Vor drei Jahren kosteten Flash-Speicher noch 20 Cent pro Megabyte, heute sind es nur noch fünf.

Den PC müssen sie erst noch erobern, in vielen anderen Geräten sind Flash-Speicher schon selbstverständlich. USB-Sticks, Handys, Handheld-Computer, digitale Foto- und Videokameras, Diktiergeräte, MP3-Player – alle speichern die Daten auf den Mini-Chips. Festplatten, Filmstreifen oder Laufwerke – was sich früher im Rechner bewegte, das entfällt, und die Gehäuse kommen ohne Klappen aus. Flash-Geräte sparen Energie, sind klein, fast unverwüstlich – und Kult. Mit Preisen zwischen 20 und 250 Euro sind sie für die Trendsetter-Generation erschwinglich. Teenies tragen ihren MP3-Player wie Schmuck um den Hals. Auf Messen und Pressekonferenzen werden Infos oft nicht mehr auf CD, sondern in Flash-Speichern verteilt. Während die Telekommunikationsunternehmen noch immer auf eine bahnbrechende "Killerapplikation" für ihre milliardenteuren UMTS-Netze warten, gibt es sie für die unscheinbaren Speicherchips gleich mehrfach. Infrarot-Schnittstellen, Bluetooth und andere Drahtlos-Netzwerke konnten den Massenmarkt für schnellen Datenaustausch nie erobern. USB-Sticks haben es im Handstreich geschafft.

Ohne komplizierte Konfigurationen und umständliches Einloggen mit Nutzernamen und Passwort ermöglichen sie die freie Zirkulation der Dateien. Schon schleppen Teilzeitkräfte, Handelsvertreter oder Wissenschaftler keine Laptops mehr hin und her, sondern spielen ihre Tabellen, PowerPoint-Präsentationen oder Texte einfach auf einen USB-Stick und holen sie an jedem beliebigen Computer wieder auf den Schirm.