Sie arbeitet in der Kommunikationsbranche, ist obendrein auch noch Organisatorin, Innenarchitektin, Mediatorin und Erste-Hilfe-Ärztin. Kurz, sie »führt ein sehr erfolgreiches kleines Familienunternehmen«. Früher hätte man sie Hausfrau genannt, heute hat sie den »wichtigsten Beruf der Welt: Familienmanagerin«. Der pfiffige Werbespot eines Herstellers von Küchenmaschinen, Staubsaugern und Bügeleisen könnte bald in ähnlicher Form auch von der Computerindustrie kommen. Denn seit sie die Büros dieser Welt weitgehend mit Hard- und Software versorgt hat, sucht sie neue Kunden und nimmt dabei auch die Familien ins Visier.

Viel Erfolg hatte sie damit bisher nicht. Trotz aller Versprechen mäht kein Roboter unseren Rasen, kein Kühlschrank bestellt uns Butter, Milch oder Wurst nach, Fernseher, Hi-Fi-Anlage und Computer sind immer noch nicht vernetzt, und auch die Heizung springt nicht vorsorglich an, weil wir den Rückweg aus dem Urlaub bald geschafft haben. Zwar sind diese Komfortspender längst erfunden und zur Produktreife entwickelt, doch kaum jemand will sie haben. Einigermaßen ratlos betrachten die High-Tech-Schmieden von Siemens bis IBM ihren Misserfolg. Jetzt will Microsoft systematisch ergründen, warum das so ist.

»Familien- und Büroleben unterscheiden sich grundlegend.« Mit dieser Arbeitshypothese ist eine Forschergruppe von Microsoft Research im englischen Cambridge ans Werk gegangen. Nach dem Vorbild ethnologischer Feldforschung sind die Informatiker, Soziologen und Psychologen ausgeschwärmt, um herauszufinden, wie Mütter ihre Familien managen. Entdeckt haben sie dabei bunte Zettel, voll gekritzelte Kalender, Papierstapel, Tabus und mythische Orte. Einer der wichtigsten ist die Kühlschranktür.

Unter Magneten kleben dort allerhand Infos: Elternabend, Geburtstagseinladung, Stundenplan, Judoturnier, Einkaufszettel. Was auf den ersten Blick als großes Durcheinander erscheint, erwies sich in der Auswertung einer Videobeobachtung als gut strukturiertes »öffentliches Display«. Wer die Aufmerksamkeit der anderen Familienmitglieder auf eine Notiz lenken wollte, rückte sie ins Zentrum der Kühlschranktür. Plumpste einer der Magneten wegen zu hoher Zettellast herunter, nutzte die Mutter das Signal, überholte Nachrichten aus- und die verbliebenen neu zu sortieren.

Am Stichtag beginnt der Magnet an der Kühlschranktür zu blinken

Das können wir besser, dachten sich die Microsoft-Forscher und begannen mit der Entwicklung elektronisch aufgerüsteter Magneten. Die beginnen hell zu leuchten, wenn sie bewegt werden und signalisieren damit eine aktuelle Nachricht. Mit der Zeit verblassen sie wieder. Oder die Magneten werden per Knopfdruck auf einen Termin eingestellt und leuchten immer heller, je näher er rückt. Am Stichtag beginnen sie zu blinken, danach erlöschen sie. Alte oder abgelaufene Nachrichten hängen somit stets unter dunklen Magneten und können weggeworfen werden.

»Im nächsten Schritt haben wir versucht, die Magnete mit einem Display auszustatten und drahtlos mit den elektronischen Kalendern der Familienmitglieder zu verknüpfen«, sagt Ken Wood, Leiter der Familien-Arbeitsgruppe in Cambridge. Und im Flur wurde das übliche Pinnbrett durch einen Flachbildschirm ersetzt. Wer der Familie etwas mitzuteilen hat, kann seine Nachricht mit einem Spezialstift direkt auf diese »HomeNote« genannte Anzeigetafel schreiben. Wer gerade unterwegs ist, kann auch eine SMS an HomeNote schicken. Dort erscheint sie dann in Druckbuchstaben neben einem Foto des Absenders. »Bin gut angekommen«, meldet sich der Vater von der Dienstreise. »Wer holt mich um fünf vom Bahnhof ab?«, fragt die Tochter aus dem Zug. »HomeNote ermöglicht es der Familie, mit einem Ort, statt mit einer Person zu kommunizieren«, sagt Wood.