DIE ZEIT: Am Forschungszentrum Jülich ist in dieser Woche Europas leistungsfähigster Superrechner JUBL offiziell in Betrieb gegangen. Er ist die Nummer 6 in der Weltrangliste der Supercomputer. Wieviel stärker als ein gewöhnlicher PC ist er?

Thomas Lippert: Die Rechenleistung übertrifft die eines PCs um den Faktor 15000 bis 40000. Das hängt von dem Problem ab, das Sie berechnen wollen.

ZEIT: Wofür braucht man überhaupt einen solchen Rechner?

Lippert: Für die so genannten Grand Challenges, für die großen Herausforderungen in Wissenschaft und Forschung. Eine ist beispielsweise die Berechnung sämtlicher biologischer Vorgänge in einer Zelle, eine andere die so genannte Laser-Plasma-Interaktion. Dazu gehört ferner auch die Behandlung von Tumoren mit beschleunigten Protonen. Hier hilft der Rechner, die entsprechenden Beschleuniger zu entwickeln. Diese Geräte sollen in Zukunft nur noch so groß wie ein Kühlschrank sein, damit man sie auch an Kliniken installieren kann und die Patienten nicht mehr zu den großen Beschleunigerzentren fahren müssen. Man will mit solchen Beschleunigern künftig auch die Kernfusion zünden. Auch hierzu laufen die Simulationen auf diesem Rechner. Für solche Herausforderungen benötigt man eine Rechnerleistung, die weit über jene von Standardrechnern hinausgeht. Das Computing ist zu einer Schlüsseltechnologie geworden. Ohne Supercomputer würden wir ökonomisch zurückfallen, denn solche Großprojekte lassen sich nur mit einer kompakten Rechenleistung an einem Ort bewältigen.

ZEIT: Warum kann man die Leistung eines Superrechners nicht auch mittels Grid Computing erreichen, indem man viele Tausende PCs miteinander vernetzt?

Lippert: Das lässt sich nicht einfach verteilen. Denn die Botschaften könnten zwischen den Prozessoren gar nicht schnell genug ausgetauscht werden. Die schnellsten Netze, die wir in Deutschland zurzeit haben, sind um den Faktor 10000 bis 100000 zu langsam, um solche Anwendungen auf einem Grid verteilt laufen zu lassen. Supercomputing in einem Grid würde zudem auch teurer. So ist die Anzahl der Prozessoren in JUBL fünfmal billiger als dieselbe Anzahl von Einzelrechnern. Aber auch die Administration ist wesentlich billiger, weil nur eine Hand voll Techniker die Maschine verwalten. Bei 10000 einzelnen Rechnern müssten Sie sich einmal die Arbeitsleistung vorstellen, die da erforderlich wäre.