Unsere Reise begann an einem sonnigen Morgen in San Francisco, und sie führte direkt in den Stau. Auf der Bay Bridge wird man leicht zum Klaustrophobiker: gefangen auf einer Brücke, mehrspurig eingeschlossen von stattlichen US-Schlitten und Trucks. Wie war das noch in dieser Diskussionsrunde, in die man in der Nacht zuvor beim Zappen im Hotel geraten war? Zwei Manager der Autoindustrie hatten von der großen Freiheit des Autofahrens gesprochen, the big freedom, the big feeling. Sie mochten solche Begriffe, alles, was sich mit big kombinieren lässt. Sie fanden auch eine Bezeichnung für den Klimawandel, auf den sie der Moderator ansprach. »Oh, yes, the big if…« The big if , das große Wenn. Nach dem Motto: Nichts ist bewiesen, alles nur Spekulation, Panikmache. If. Was nur noch zwei Buchstaben hat, kann keine Katastrophe sein.

Wir haben einen Termin im 17. Stock eines gewaltigen Hochhauses mitten im Zentrum von Sacramento, nur ein paar Straßen weg vom kalifornischen Regierungs- und Parlamentssitz, dem Capitol. Müssen noch einen Augenblick warten auf Mike Wintemute, sitzen auf einem Stuhl in einem Großraumbüro vor einem einzigen Bäumchen, eingetopft, es sieht ein bisschen räudig und krank aus. Dann kommt Mister Wintemute. Mitte dreißig. Anzug, Krawatte, sieht aus wie ein Hollywood-Schauspieler, Typ FBI-Agent.

Was er antwortet, wenn Automanager den Klimawandel the big if nennen? Wintemute sagt, dies sei inzwischen sehr einfach zu widerlegen. Er sagt, dass neun der zehn wärmsten Jahre in der gesamten Klimageschichte eben neun der zehn vergangenen Jahre waren. Er sagt, rund 95 Prozent der wissenschaftlichen Experten seien sich einig, die Temperatur der Erde werde in den nächsten Jahren auf jeden Fall um zwei Grad steigen, was sich rächen werde mit dem Abschmelzen der Gletscher und dem Ansteigen der Meeresspiegel. Nein, sagt er, »die Zeit der Zweifel ist vorbei«.

Wintemute erzählt von seinem Chef, »gerade vor ein paar Minuten saßen wir zusammen, und er sagte es wieder, wie sehr er einen Beitrag zu diesem weltweiten Kampf leisten möchte«. Und er zitiert die Formel, die der Boss in seinen Reden überall wiederholt: Wir haben genug geredet, wir kennen die Wissenschaft, it’s time for action. Die Sprache passt zum Chef: Arnold Schwarzenegger, Mister Universum, Hollywood-Terminator und republikanischer Gouverneur von Kalifornien. Mike Wintemute ist einer der Pressesprecher von Schwarzenegger.

Die Action ließ Schwarzenegger in der Tat folgen mit einem Trommelfeuer umweltpolitischer Maßnahmen: Milliardenprogramm für die Erforschung und Entwicklung erneuerbarer Energien, Energiesparmaßnahmen, Konzepte für besseres Wasser und bessere Luft, Berufung eines Expertenbeirats, den Schwarzenegger auffordert, immer neue Vorschläge zu machen. Er unterschrieb eine Verordnung, dass sich bis zum Jahr 2010 der Ausstoß von Kohlendioxid um elf Prozent verringern muss. Vom Jahr 2012 an dürfen in Kalifornien nur noch Autos neu zugelassen werden, die die bisher geltenden Abgasgrenzwerte um mehr als ein Viertel unterschreiten. Sowohl die Autoindustrie als auch die Regierung in Washington haben gegen Schwarzeneggers Verordnung geklagt beziehungsweise Klage angekündigt.

Wie anstrengend ist dieser Kampf gegen Washington? Wintemute sagt: »Ich will es anders formulieren: Präsident Bush hat sich sehr für die Entwicklung des Hybridautos ausgesprochen. Das ist sehr hilfreich für unsere Politik.« Kalifornien habe eine komplizierte Wasserversorgung, sei abhängig von Regenfällen in der Sierra Nevada, Kalifornien sei mit dem Problem von Waldbränden konfrontiert, Kalifornien habe Küstenstädte, die gefährdet seien, wenn der Meeresspiegel steigt, »wir sind mehr als andere abhängig von der Umwelt, deshalb müssen wir viel tun. Es gibt kein Zurück mehr von unserer Politik.« Man wolle daraus aber auch Kapital schlagen. »Arnold Schwarzenegger«, sagt der Sprecher, »hat die ganze Welt hier zu Besuch, im Moment vor allem aus China. Sie wollen von uns lernen.«