Zu den eher netteren Besonderheiten der Globalisierung gehört, dass die Umweltjungs von Schwarzenegger auf den Klimakonferenzen dieser Welt jetzt regelmäßig den eher klassischen Umweltschützern aus anderen Ländern begegnen. Im Prinzip ist da Amerika eher ein Feindbild, und auch Typen wie Terminator Arnold sind nicht gerade deren Identifikationsfiguren. Mike Wintemute muss schmunzeln, »ja, es könnte sein, dass gewisse Feindbilder erst mal abgebaut werden müssen. Aber spätestens wenn wir erzählen, was wir in Kalifornien tun, ist die Stimmung eigentlich immer ganz gut.«

Der Klimawandel wird alle anderen Themen in den Schatten stellen

Mit der Morgenmaschine nach Phoenix. Es scheint wie fast immer auf dieser Reise die Sonne, als wolle sie die These der Klimaerwärmung auf besondere Weise unterstützen. Blättern in dem Buch Wir Wettermacher von Tim Flannery, einem australischen Naturforscher und Zoologen. Er beschreibt, wie lange er sich vor dem Thema Klimawandel gedrückt habe, zu diffus, zu widersprüchlich schienen ihm die Nachrichten aus der Wissenschaft zu sein. Doch das änderte sich in den letzten zwei, drei Jahren, die Experten wurden sicherer, die Katastrophenmeldungen häuften sich, dazu kamen seine eigenen Beobachtungen, etwa vom Aussterben verschiedener Tierarten und dem Abschmelzen der Gletscher. Er fing an zu recherchieren – und aus Wir Wettermacher, gerade im S. Fischer Verlag erschienen, wurde eine Brandschrift. Flannery schreibt: »Eines der größten Hindernisse bei der Mobilisierung gegen den Klimawandel besteht darin, dass er zu einem Klischee geworden ist, noch ehe man ihn richtig verstanden hat. Was jetzt nötig ist, sind gute Informationen und gründliches Nachdenken, denn in den kommenden Jahren wird dieses Thema alle anderen in den Schatten stellen. Es wird zum einzigen Thema werden.« Merkwürdig, dieses Buch im Flugzeug zu lesen. Man guckt aus dem Fenster in die Wolken. Flannery schreibt, was die Erde und ihre Menschen für ein unfassbares Glück hatten, dass ein bestimmtes Gasgemisch in der Atmosphäre für diese wunderbaren Lebensumstände sorgt. Und was die Menschen alles von unten nach oben blasen, um dieses Luftgemisch aufs gefährlichste zu verändern.

Phoenix, die fünftgrößte Stadt der USA mit fast drei Millionen Einwohnern, besteht aus ein paar Wolkenkratzern und sonst nicht viel. Ein Starbucks, ein Kino mit 30 Sälen und eine Kneipe, in der die weiblichen Bedienungen knappste Cheerleaderinnen-Kostümchen tragen müssen. Die Stadt ist mitten in der Wüste Arizonas, deshalb ist alles flach hier, deshalb ist es sehr heiß, im Sommer oft weit über vierzig Grad. Eine Zeitung schrieb: »Phoenix ist wie Las Vegas, aber ohne Vegas.« Man könnte behaupten: Was soll man anderes tun als arbeiten? Wie auch immer, Phoenix boomt, Industrie ohne Ende, kaum Arbeitslosigkeit, fast keine Kriminalität. Wegen der relativ günstigen Immobilienpreise können sich die meisten ein eigenes Haus leisten. Jedes Jahr werden rund 300000 neue Einwohner gezählt, immer neue Stadtviertel wachsen in die Wüste hinaus. Geld ist hier so etwas wie eine natürliche Ressource. Als Charles Redman seinen Lehrstuhl samt angeschlossenem Institut Adaptive Solutions for an Urbanizing World eröffnete, überreichte ihm Karin Wrigley, aus der Familie der Kaugummidynastie, einen ersten Scheck in Höhe von mehreren Millionen Dollar.

Phoenix liegt in der Wüste, jedes Jahr wird es heißer

Charles Redman kommt mit dem Wagen zum Hotel, er schlägt eine kleine, private Stadtrundfahrt vor. Er sagt, er sei im Grunde ein Mann der Vergangenheit. Archäologie ist sein Fachgebiet, er lebte lange in Marokko, machte Ausgrabungen im Irak. »Ein schönes, interessantes Leben ist das als Archäologe. Aber eines ist diese Arbeit nicht: wichtig.« Er erzählt, wie auf den Kongressen seines Fachs neue Fragen gestellt wurden: Welche Rolle die Ökologie bei dem Untergang vieler Völker gespielt habe, zum Beispiel bei den Maya und den Wikingern – und was man aus deren Schicksal lernen könne. »Und ich hörte Klimaforschern zu, die mir den Ernst der Lage klarmachten: Wie sehr wir Menschen auf der Kippe stehen.« Man kann sagen, er wechselte aus der Vergangenheit in die Zukunft.