Erich von Däniken ist nicht nur ein glänzender Märchenerzähler, sondern auch ein begnadeter Selbstvermarkter. In immer neuen Varianten bringt er seine Schöpfungslehre unters Volk, wonach Außerirdische einst die menschliche Zivilisation begründet haben sollen. Krönen wollte der 71-jährige Bestsellerautor sein Lebenswerk mit dem 86 Millionen Franken teuren Mystery Park bei Interlaken in der Schweiz. Nun aber kämpft der Freizeitpark mit der Pleite. Kommen bis Mitte März keine 27 Millionen Franken zusammen, werden die Aliens die Erde wohl für immer verlassen.

Dabei hatte das erste Jahr noch ganz gut angefangen. Rund 330 000 Besucher konnten die Marketingleute 2003 vom Eröffnungstag im Mai bis Jahresende in den Vergnügungspark lotsen. Doch 2004 kamen nur noch 310 000 Menschen, im vergangenen Jahr waren es gerade mal 210 000, deutlich weniger als die Hälfte dessen, was im ehrgeizigen Businessplan für das börsennotierte Unternehmen anvisiert worden war. Wir haben zu spät gemerkt, dass der Neuigkeitsbonus sehr rasch konsumiert war, sagt Mystery-Park-Chef Fritz Zemp. Viele Besucher kamen offenbar nur einmal und hatten schon genug gesehen. An der Berner Regionalbörse notieren die Mystery-Park-Aktien mittlerweile bei rund einem Franken, in guten Zeiten waren es 24 Franken.

Von oben betrachtet, erinnert von Dänikens Mystery Park an eine Mondstation.

Rund um einen silbrig glänzenden Aussichtsturm gruppieren sich sieben Themenpavillons, in denen mit allerlei Laserblitzen, Pappmaché-Nachbildungen archäologischer Stätten, Bühnennebel und projektionstechnischem Schnickschnack diverse Menschheitsrätsel präsentiert werden. Die Pyramiden von Gizeh sind ebenso dabei wie Stonehenge, die Maya-Tempel und die gigantischen Geländezeichnungen im peruanischen Nasca. Gäste tragen Kopfhörer, raunende Stimmen sollen sie neugierig machen.

Vollständig aufgelöst werden die Rätsel allerdings erst in von Dänikens Schriften, die praktischerweise im parkeigenen Buchladen verkauft werden.

Dort erfährt man etwa, dass es sich bei den Geländezeichnungen um Landebahnen für Außerirdische handelt und Stonehenge angeblich das verkleinerte Modell des Sonnensystems samt Asteroidengürtel ist, eingegeben von geheimnisvollen grünen Männchen. Die Menschen sollen wieder das Staunen lernen, sagt von Däniken. Beim Eintrittspreis hat das immerhin geklappt, die Tageskarte für Erwachsene kostet 48 Franken, das sind umgerechnet 32 Euro. Parkplatz und Toilettenbenutzung kosten extra, aber für Familien gibt's mittlerweile Rabatt.

Die unsanfte Landung auf dem Boden der wirtschaftlichen Realität hinterließ tiefe Spuren in der Bilanz. Allein im vergangenen Jahr belief sich der operative Verlust auf vier Millionen Franken. Die Bilanz weist per Ende 2005 ein Eigenkapital von nur noch 300 000 Franken aus, womit das Aktienkapital von 24 Millionen Franken fast aufgezehrt ist. Sparmöglichkeiten sind weitgehend ausgeschöpft. Von den einst 120 Arbeitsplätzen sind noch 70 übrig geblieben. Bis zum 17. März sollen Aktionäre und Inhaber von Wandelanleihen nun entscheiden, ob sie einem drastischen Kapitalschnitt zustimmen und bereit sind, frisches Geld ins Unternehmen zu pumpen. Auf Basis von nur noch 250 000 bis 300 000 prognostizierten Besuchern pro Jahr würde man dann quasi neu anfangen. Wir können die Krise meistern, meint von Däniken, wir müssen nur etwas bescheidener werden.