Teheran

Ali Laridschani ist erst am Morgen zuvor nach Teheran zurückgekehrt. In Wien hatte er noch einmal mit den Außenministern Deutschlands, Frankreichs und Großbritannien über Irans Nuklearprogramm verhandelt. Er ist in den vergangenen Wochen um die halbe Welt geflogen, war in Moskau, Peking, dann wieder in Wien. Jetzt zeigt sich der Generalsekretär von Irans Oberstem Nationalen Sicherheitsrat in einem plüschigen Vortragssaal auf dem Gelände des Präsidentenpalastes den Journalisten, um vor der entscheidenden Sitzung der Internationalen Atomenergiebehörde zu warnen: Iran habe ein Recht auf die friedliche Nutzung der Kernenergie, "nukleare Apartheid" werde sein Land nicht dulden.

Müde und grau ist sein schmales Gesicht hinter dem buschigen Vollbart und der randlosen Brille. Der promovierte Mathematiker mit dem scheuen Lächeln wirkt so gar nicht wie der ideologische Scharfmacher, der er in Wahrheit ist. Er kandidierte bei den Präsidentschaftswahlen 2005, unterlag und ließ sich vom Sieger Mahmud Ahmadineschad zum Chef des Sicherheitsrates und damit zu Irans oberstem Atom-Unterhändler machen.

Laridschani blinzelt kurz in die Blitzlichtgewitter der Fotografen – und geht gleich zum Angriff über. Sollte die Atomenergiebehörde tatsächlich den UN-Sicherheitsrat einschalten, "werden wir sofort mit der Uran-Anreicherung beginnen". Niemand solle glauben, Iran werde sich Druck von außen beugen. Denn es gehe um Irans "Recht", um seine "nationale Souveränität" – genau wie damals, als Anfang der fünfziger Jahre die Ölindustrie verstaatlicht wurde und Amerika dies zum Anlass nahm, den Ministerpräsidenten Mossadegh zu stürzen und den Schah wieder auf den Thron zu setzen.

Recht, nationale Souveränität? Amerikaner, Europäer, inzwischen aber auch Russen und Chinesen hegen den Verdacht, dass hier ein Regime nach Atomwaffen strebt, das den internationalen Terrorismus finanziert, das Israel sein Existenzrecht abspricht und dessen Präsident den Holocaust leugnet. Nur nach außen wird um rechtliche, um technische Fragen gestritten: In Wahrheit geht es um Macht- und Sicherheitspolitik.

Weshalb die Iraner dem Westen auch gern "nukleare Apartheid" vorwerfen. Denn der dulde bei den "Zionisten" die Atomwaffen, die er Iran verweigere (das im Übrigen die Kernenergie ja ohnehin nur friedlich nutzen wolle).

Die Konfrontation sei kaum noch abzuwenden, befürchtet Hermidas Bavand, Professor für Internationales Recht. Der feine, ältere Herrn, der zu Tee und Gebäck nach Hause einlädt, rechnet damit, dass schon bald Sanktionen gegen sein Land verhängt werden könnten. "Wir sind nahe an einer semikatastrophalen Situation", sagt Bavand.