Das Wort unmöglich begegnet diesen Frauen häufig. Schon als sie anfingen, laut über ein solches Leben nachzudenken. Später, als sie sich so entschieden hatten, oft hinter ihrem Rücken: "Unmöglich, die armen Kinder." Die Frauen hatten die Wahl zwischen Kindern und Karriere – und sie haben sich für beides entschieden. Sie sind deshalb keine Heldinnen. Sie zweifeln und verzweifeln manchmal, und ihr Tag hat auch nur 24 Stunden.

Auch wenn er Ariane Krampe manchmal noch viel kürzer vorkommt. Es ist halb neun Uhr morgens. Wenn dies ein Film wäre, dann würde die Kamera jetzt die beiden Kinder auf dem Weg zum Spielplatz zeigen, die fünfjährige Paula mit ihren roten Haaren und dem neuen glitzer-rosa Lillifee-Ranzen und den dreijährigen Vincent auf seinem grünen Plastiktraktor. "Tschüs, Mama", rufen sie fröhlich und winken noch mal, ohne sich umzudrehen. Neben den beiden Kindern geht Siegrun, eine junge, bayerische Kinderfrau. Schnitt. Die Mutter ist vor der Garage stehen geblieben, lächelt, winkt, sie sieht ein bisschen müde, aber zufrieden aus. Die Kamera schwenkt hoch, zeigt die Straße von oben, viele Bäume, große, weiße Einfamilienhäuser, drei parkende Autos, Morgensonne, der Tag wirkt wie frisch gewaschen. Man sieht die Mutter in ihr Auto steigen.

"Die beiden werden mich bis zum Abend kaum vermissen, und das ist wunderbar so", sagt Ariane Krampe und startet den Wagen.

Manchmal schwebt das Leben, und das hier ist einer dieser Momente. Alles ist in perfekter Balance, die Kinder sind unbeschwert, und die Fernsehfilmproduzentin Ariane Krampe freut sich auf ihre Arbeit. Einen Moment lang ist da dieses Glücksgefühl, das Gefühl: Es gelingt.

Ich kriege es hin, eine gute Mutter zu sein und eine gute Filmproduzentin. Alle Mütter, die arbeiten und die das nicht nur des Geldes wegen tun, sondern weil sie ihren Job mögen, weil ihnen die Anerkennung wichtig ist, weil sie sich in die Welt außerhalb ihres Haushalts einmischen wollen, kennen dieses Gefühl. Es ist wie ein kleiner Rausch: die Hoffnung, dass der eigene Lebensentwurf aufgehen könnte. Kinder und Karriere. Am Abend zuvor saß Ariane Krampe zum Interview in einem bayerischen Gasthaus, es war spät, an den Nachbartischen waren schon die Stühle hochgestellt, sie gähnte versteckt, nein, nein, müde sei sie nicht, wir könnten gern noch weiterreden. Ob sie schon von ihrer Zweidrittelthese erzählt habe? "Als Frau in Deutschland kann man nur zu zwei Dritteln glücklich werden, das volle Glück ist in diesem Land fast nicht machbar. Entweder Job und Partnerschaft oder Partnerschaft und Kinder oder Kinder und Job, aber alle drei Aspekte zusammen, das gibt es nur selten, das sind die ganz großen Ausnahmen", sagt sie. Womöglich gibt es Argumente und Beispiele gegen diese These, aber an diesem späten, verregneten Abend fallen ihr nur Frauen ein, die sich entschieden haben, auf eines zu verzichten, oder die sich in ihrem Alltag zwischen Job, Kindern und Partnerschaft aufreiben.

Auf der Fahrt ins Gasthaus hatte Ariane Krampe erzählt, dass sie sich früher immer drei Jungs gewünscht habe, sie lachte dabei ihr tiefes, ansteckendes Lachen. Drei Jungs! Das war, bevor sie ihr erstes Kind, Paula, bekam, bevor sie Filmproduzentin und Geschäftsführerin der sehr erfolgreichen Produktionsfirma teamWorx wurde, das war, bevor sie begriff, dass der Vater von Paula und Vincent nicht der Partner ist, den sie sich an ihrer Seite gewünscht hatte. Sie haben es einige Jahre lang miteinander probiert, bis sie endgültig feststellten, es funktioniert einfach nicht mit ihnen beiden. Der Mann zieht nun bald aus. Das ist traurig, aber manches wird dadurch auch leichter werden. Zwei Drittel halt.

Als Ariane Krampe den schwarzen A-Klasse-Mercedes vor dem Gasthaus parkt und die Autotür öffnet, ist da eine tiefe Pfütze unter ihren Füßen, über die sie hinwegspringt. Sie trägt flache Schuhe und Jeans, ein rosa Poloshirt, eine graue Strickjacke. Man kann sie sich nur schwer in einem Kleid oder einem Rock vorstellen. Ariane Krampe ist 43 Jahre alt, zweimal erhielt sie den Deutschen Fernsehpreis. Eine hässliche Plexiglasskulptur, die in der Branche viel bedeutet. Einmal für den Fernsehfilm Der Tunnel, da war sie mit Paula schwanger; einmal für Tanz mit dem Teufel über die Entführung von Richard Oetker, da war sie mit Vincent schwanger.

Obwohl die Fernsehproduzentin Ariane Krampe gerade zwanzig Filme (in verschiedenen Planungsstufen) betreut, ist sie auch eine Übermutter. "Jede freie Minute verbringe ich mit den Kindern." Sie möchte Paula und Vincent das gleiche sehr warme Nest bereiten, das sie als Kind genossen hat, und trotzdem noch einen Filmpreis gewinnen. Nur: Geht das? Oder besser: Wie kann das gehen? Fragen, auf die Ariane Krampe jeden Tag wieder passende Antworten zu finden versucht.

Eine ihrer Antworten heißt Siegrun. Die rotwangige Dreiundzwanzigjährige ist mehr als nur ein Kindermädchen, sie ist wie eine sehr große Schwester für Paula und Vincent. Sie kocht das Mittagessen, sie legt Vincent schlafen und bastelt mit Paula eine Puppenstube, sie schafft dieses warme Zuhausegefühl, wenn Ariane Krampe nicht da ist. Siegruns Arbeitsplatz kostet Ariane Krampe gut zweitausend Euro im Monat. Und es ärgert sie wie die Pest, dass sie das Geld nicht von der Steuer absetzen kann.

Als gut verdienende, unverheiratete und neuerdings alleinerziehende Mutter von zwei Kindern wird sie von der Politik bisher benachteiligt. Sie zahlt den höchsten Steuersatz und kann das Gehalt für ihre Kinderfrau nicht absetzen. Und dann noch das Ehegattensplitting: "Das ist ja nicht mal ans Kinderkriegen gebunden. Warum wird eine verheiratete Frau ohne Kinder vom Staat besser behandelt als ich?" Hinter diesem Ärger steht das Gefühl, der eigene Lebensentwurf werde über die Politik noch immer gesellschaftlich sanktioniert.