Fusionen und Übernahmen treten meist in Wellen auf. In den vergangenen 100 Jahren gab es fünf Wellen, wobei die Abstände immer kürzer geworden sind.

Die erste Welle wird grob auf die Jahre 1890 bis 1904 datiert. Damals schlossen sich Unternehmen innerhalb von Branchen zusammen. Dies führte in Teilen fast zu Monopolen, insbesondere in der Stahlindustrie. Die Welle endete jäh. In Amerika wurde erstmals ein Fusionsverbot postuliert. Jahre später folgten Gesetze, die Zusammenschlüsse in den USA neu regelten.

Bei der zweiten Welle vom Ende des Ersten Weltkriegs bis 1929 ging es um Käufe vorgelagerter Zulieferer und nachgelagerter Dienstleister. Im Zentrum: Energie- und Eisenbahnkonzerne. Die Weltwirtschaftskrise beendete die Welle.

In der dritten Welle während der zweiten Hälfte der Sechziger wandelten sich viele Konzerne zu Konglomeraten mit verschiedensten Sparten, ganz im Sinn der damals populären Portfoliotheorie. Börsenschwäche und Ölkrise stoppten die Welle. Deutschland führte 1973 die Fusionskontrolle ein.

Es waren dann die Konglomerate, die in der vierten Welle von der Mitte der Achtziger an in den USA wieder zerschlagen wurden, vor allem von den neuen Finanzinvestoren. Zudem expandierten immer mehr Unternehmen ins Ausland. Parallel dazu entstanden in der Europäischen Union, auch mit Blick auf den Binnenmarkt, neue große Konzerne. Die Fusionskontrollverordnung schuf in der EU einheitliche Regeln und trug zum Ende dieser Welle bei.

In der fünften Welle, die etwa 1995 begann und 2000 mit dem Crash der Börsen endete, zog es viele Firmen erstmals in ganz neue Märkte. Größe war wieder schick. Im Fokus: IT und Telekommunikation. Globalisierung, Deregulierung, Wachstum im Kerngeschäft, Internet-Hype und entgrenzte Kapitalmärkte prägten die Welle. Das Transaktionsvolumen des Jahres 2000 von 3,4 Billionen Dollar ist bis heute unerreicht.

Umstritten sind Fusionen und Übernahmen, weil sie Konzerne oft in große Probleme stürzen. Die Hauptgründe dafür sind Mängel in der Finanzierung, Fehler in der Integration, die Vernachlässigung des Tagesgeschäfts, Hürden des Wettbewerbsrechts und das Ego einzelner Topmanager. ( sto )