Kunstdiebe sind in den seltensten Fällen auch Kunstliebhaber. Der 33-jährige Elsässer Stéphane Breitwieser ist eine seltene Ausnahme. Im Kindesalter wurde er von den Eltern an die Kunst herangeführt. Doch als der Vater die Familie mit all seinen schönen Möbeln und antiken Waffen verließ, musste sich der junge Stéphane in einer Ikea-Realität zurechtfinden. Weil ihm das nicht gefiel, begann er zu stehlen.

Von 1994 bis 2001 entwendete er bei 174 Raubzügen in ganz Europa 239 Objekte, um seine verloren gegangene Traumwelt in zwei Zimmern im Haus der Mutter im elsässischen Eschentzwiller zu rekonstruieren: mit Gemälden von Dürer, Cranach und Brueghel, einer Tapisserie, Gold- und Silberobjekten, Porzellan, Waffen, Musikinstrumenten.

In Schlössern, Kirchen, auf Kunstmessen wie der Tefaf in Maastricht, der Kunst- und Antiquitätenmesse in Zürich, Galerien und Museen griff er zu, bis er im November 2001 bei dem Versuch, im Richard-Wagner-Museum ein Jagdhorn aus dem 16. Jahrhundert mit einem Versicherungswert von 100000 Euro mitgehen zu lassen, verhaftet wurde.

Tragisch ist das, was nach der Verhaftung passierte. Die Mutter Mireille Stengel geriet in Panik, packte die Schätze in ihr Auto und versenkte sie in dem hundert Kilometer weit entfernten Rhein-Rhone-Kanal. Die etwa 60 Gemälde, darunter auch ein Claude Monet und ein Quentin Massys, zerstückelte sie nach ihren eigenen Angaben und übergab sie dem Müll. Als der Sohn davon erfuhr, unternahm er in der Zelle einen Selbstmordversuch.

Das ist die Vorgeschichte. Der kunstsinnige Dieb ist wegen guter Führung nach drei Jahren Haft nun entlassen, die Mutter darf über ihre Schandtat weiter im Gefängnis nachdenken. Breitwieser hat sich gerade erstmals zu seinen Motiven, seiner Vorgehensweise und auch seiner Zukunft gegenüber dem französischen Autor Pierre Assouline für den Nouvel Observateur geäußert.

Dort bekennt er: "Wenn die Gesellschaft mir die Chance gibt, möchte ich gerne in meinem eigentlichen Milieu arbeiten, bei einem Kunsthändler oder einem Versteigerungshaus." Selbstbewusst fügt er hinzu: "Es gibt nicht viele wie mich, die sich mit der Kunst und den Sicherheitsvorkehrungen auskennen."